Mittwoch, 14. November 2018

Weltweite Protestbewegung Hunderttausende demonstrieren gegen Zockerbanken

Demonstranten vor der EZB in Frankfurt am Main: Proteste in etwa 50 deutschen Städten

Die "Occupy Wall Street"-Bewegung weitet sich aus. Am Samstag gingen weltweit hunderttausende Menschen gegen die Auswüchse der Finanzmärkte auf die Straße. In Deutschland blieben die Proteste friedlich, nur in Italiens Hauptstadt Rom kam es zu Ausschreitungen.

Hamburg - In der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main und in der Hauptstadt Berlin protestierten gestern jeweils etwa 5000 Menschen gegen die Rettung maroder Banken und soziale Ungleichheiten. Vorbild für die Proteste waren die Dauerkundgebungen in New York und Madrid. Am Rande einer Massenkundgebung in Rom mit mehr als 100 000 Teilnehmern kam es zu Ausschreitungen. Bis zum Abend wurden mehr als 70 Menschen verletzt.

In New York nahm die Polizei am Samstag mehr als 70 Menschen fest. Die meisten Festnahmen gab es am Abend (Ortszeit) nahe dem Times Square, als sich eine Gruppe von Demonstranten nach Angaben der Polizei ihrer Aufforderung widersetzte, eine Nebenstraße freizumachen. Die Beamten führten 42 Leute in Handschellen ab.

Bereits zuvor hatte es am Times Square vereinzelte Festnahmen gegeben, als Demonstranten die von der Polizei aufgestellten Absperrungen beiseite stießen. Beamte mit Helmen und Schlagstöcken und Polizisten zu Pferd drängten die Menschen zurück. Dabei hat es nach Angaben von Augenzeugen auch Verletzte gegeben. Bis auf wenige Ausnahmen verlief die Demonstration auf New Yorks berühmter Vergnügungsmeile mit nach einer vorsichtigen Veranstalterschätzung bis zu 50 000 Teilnehmern aber friedlich.

Die Polizei nahm 24 Wall-Street-Protestler in Gewahrsam, nachdem diese in eine Filiale der Citibank geströmt waren, um ihre Konten in einer gemeinsamen Aktion aufzulösen. Der Filialleiter forderte die Gruppe nach Angaben von US-Medien auf, die Bank zu verlassen. Die Demonstranten weigerten sich allerdings und wurden in der Geschäftsstelle festgesetzt. Die Bewegung "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") hält seit vier Wochen New York in Atem. In anderen Städten der USA gab es ebenfalls Proteste, wie auch in Hongkong und anderen asiatischen Städten.

Mehr als 40.000 folgten dem Protestaufruf in Deutschland

Insgesamt folgten in Deutschland nach Angaben der Mitorganisatoren von Attac mehr als 40 000 Kapitalismuskritiker in etwa 50 Städten dem Aufruf zum Protest. Max Bank vom Attac-Koordinierungskreis wertete den Protesttag als großen Erfolg. "Der Funke ist übergesprungen, die Bewegung ist da", sagte er. Die Globalisierungsgegner fordern unter anderem eine europäische Vermögensabgabe und Finanztransaktionssteuer.

In Berlin zogen die Demonstranten vom Alexanderplatz in Richtung Kanzleramt. Die Polizei unterband aber das Campieren vor dem Bundestag. In Frankfurt am Main marschierten die Menschen zu einer Kundgebung an der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit Genehmigung der Stadt Frankfurt stellten einige Demonstranten Zelte auf.

Die Proteste in Deutschland blieben nach Polizeiangaben insgesamt friedlich. In Berlin kam es aber auf dem Weg durch das Regierungsviertel zum Kanzleramt kurz zu Tumulten, als rund 200 Protestler über die Wiese auf den Bundestag zustürmten. Dort bauten die Aktivisten die Absperrungen ab und riefen in Anspielung auf die New Yorker Proteste "Occupy Bundestag" ("Besetzt den Bundestag"). Die Polizei sicherte das Gelände.

Die Berliner Polizei beendete am späten Samstagabend die Proteste vor dem Bundestag. Zwei Hundertschaften waren im Einsatz, um die Demonstranten von dem Platz zu entfernen. Es werde nicht geduldet, dass die Proteste vor dem Bundestag die ganze Nacht über andauerten, sagte ein Polizeisprecher. Die Einsatzkräfte trugen Demonstranten vom Platz und nahmen Personalien auf. Die Räumung sei "mehr oder minder milde" verlaufen, so der Sprecher.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH