Freitag, 14. Dezember 2018

Anschwellender Protest Wall-Street-Meckerer buhlen um Unterstützer 

Wall-Street-Besetzer: Amerika spaltet sich in der Unterstützer-Frage
AP

3. Teil: Banker in Angst vor dem sozialem Umschwung

Am Samstag und Sonntag gelang den Wall-Street-"Besetzern", die New Yorks Polizei in Wahrheit bislang hermetisch von der Börse fernhält, ein kleiner Coup. In der ehemaligen Zentrale von J. P. Morgan, vor 80 Jahren ein Wahrzeichen der New Yorker Skyline genau gegenüber der Wall Street, zeigten sie politische Kunst aus der Protestbewegung, darunter Malerei, Videos und Fotografien von verschiedenen Protesten.

Dass die Bewegung so schnell Zulauf erhält und der Wall Street durch ihre Erfolge näherrückt, macht einige an den Finanzmärkten bereits nervös. Beim Gipfeltreffen der Geldbranche zum Thema Bankentechnologie in Phoenix in der vergangenen Woche sei Occupy Wall Street "ein siedend heißes Thema" gewesen, räumt das Fachmagazin "Bank Systems Technology" ein. Und der Hedgefondsmanager Jim Cramer, eine Fernsehlegende unter amerikanischen Kleinanlegern, sinnierte in der jüngsten Sendung, die Proteste seien "beunruhigend für die Geldinteressen" im Lande.

Es scheint, als würde die junge Bewegung auch verstärkt zu Selbstreflexionen in den US-Medien über die ungleiche Einkommensverteilung und den stark gewachsenen Einfluss der Geldbranche auf den Kongress führen. "Es gibt 206 Millionen erwachsene Amerikaner", schreibt am Wochenende der "Sky Valley Chronicle" im Bundesstaat Washington, "und jeder dritte ist nur einen Gehaltsscheck von der Wohnsitzlosigkeit entfernt". Auf der Webseite Moneynews heißt es unterdessen, "die Intensität in Amerika nimmt zu, es passiert nicht nur in Ägypten, Tunesien oder London, wir sehen auch hier ein Aufbegehren".

Währenddessen unterstützen Gewerkschaften, die sich in den vergangenen Tagen auf die Seite der Protestler gestellt haben, die Bewegung nach Kräften. Sie schicken Nahrung auf den Zuccotti-Platz in Manhattan, sie fahren Demonstranten in Bussen zu deren Treffpunkten, und sie schulen Mitglieder von Occupy Wall Street in Strategiefragen. Doch die Umarmung so großer Organisationen wie der AFL-CIO, ein Zusammenschluss von 56 Einzelgewerkschaften mit elf Millionen Mitgliedern, ist vielen Protestlern nicht geheuer. Sie fürchten, instrumentalisiert zu werden. Wenn die Unterstützung zu sehr in die Breite geht, sagt Patrick Bruner, einer der Organisatoren der Bewegung, dann verwässert schlimmstenfalls die radikale Botschaft.

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