Donnerstag, 15. November 2018

Die Wirtschaftsglosse Euro-Krise endlich gelöst

Landesflagge künftig auf halbmast: Tja, so kann's ganz schnell gehen, wenn man den Haushalt nicht in den Griff bekommt. Peinlich, peinlich.

In Griechenland streiken die Griechen. In Deutschland bangen Bürger um ihre Ersparnisse. Aber in Brüssel hat ein Mann jetzt die Euro-Krise gelöst. Günther Oettinger will die Flaggen der Schuldensünder auf Halbmast setzen lassen. Wir hätten da am Ende des Tages noch ein paar ergänzende Vorschläge.

Das ist doch mal ein Ansatz. "Ich habe Zweifel, ob die bisher vorgeschlagenen Sanktionen wirklich zielführend sind", meldet sich Günther Oettinger zur Eurokrise im Fachblatt für Allgemeines "Bild" zu Wort. Der energische EU-Energiekommissar bringt daher "unkonventionelle Ideen" ins Spiel: Man könnte, so Oettinger, "die Flaggen von Schuldensündern vor den EU-Gebäuden auf halbmast" setzen: "Das wäre zwar nur ein Symbol, hätte aber einen hohen Abschreckungseffekt." Jedem Griechen, der am Brüsseler Strand Urlaub macht, wird es künftig auf dem Weg zur EU-Cocktailbar schmerzlich zu Bewusstsein kommen, dass er eigentlich ganz woanders sein müsste: Nämlich zu Hause. Am Schreibtisch. Schulden abbauen.

Maren Hoffmann
manager-magazin.de
Maren Hoffmann
Tja, aber wenn der gedemütigte Grieche dann, seelisch auf halbmast, endlich an seinem Behördenschreibtisch eintrudelt, sitzt da schon ein anderer. Auch dafür will Oettinger sorgen. Denn weil die Griechen es einfach nicht schaffen, ihren Schlendrian abzulegen, sollen nach Oettingers Vorschlag EU-Beamte das Ruder übernehmen und endlich mal durchgreifen.

Aber solche Radikalmaßnahmen lassen sich natürlich nur durchsetzen, wenn der Leidensdruck der betroffenen Länder groß genug ist. Die Idee mit den Flaggen ist wirklich gut, aber etwas unpersönlich. Es könnte sich als zielführend erweisen, jedes Land einzeln bei der Ehre zu packen. Und zwar da, wo es am meisten weh tut. Unsere Vorschläge:

Italien: Bis zum endgültigen Schuldenabbau wird vor jedem Länderspiel der Fußballnationalmannschaft nicht mehr die italienische Nationalhymne gespielt, sondern das im Zuge der vergangenen WM der Männer zu einiger Beliebtheit (allerdings nur außerhalb von Italien) gelangte Lied "Wer den Cup gewinnt, ist scheißegal, nur Italien nicht, nur Italien nicht".

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Griechenland: Auch hier bietet sich ein schmerzhafter Bezug auf eine Hymne an. Udo Jürgens' viel gespielter Dauerhit "Griechischer Wein" wird bis auf weiteres europaweit in neuer Fassung gesungen. Bisheriger Text: "Griechischer Wein/ist wie das Blut der Erde/komm,schenk dir ein/und wenn ich dann traurig werde, liegt es daran/dass ich immer träume von daheim, du musst verzeih'n". Neue Fassung: "Badischer Wein/ist wie das Blut der Erde/komm, schenk dir ein/und wenn ich dann traurig werde, liegt es daran/dass ich immer zahlen muss für dich, doch ich sag jetzt nein, du musst mir verzeih'n"

Irland: Die "grüne Insel" wird bis auf weiteres in "rote Insel" umbenannt. Und damit das auch die ganze Welt mitbekommt, wird zum St. Patrick' s Day am 17. März der Chicago River nicht mehr grün eingefärbt, sondern, genau: rot. Das Kleeblatt als nationales Symbol wird bis auf Widerruf durch eine überreife Tomate ersetzt.

Portugal: Portwein und Madeira - damit ist jetzt erstmal Schluss. Die guten Sachen kommen solange in den Keller, bis der Haushalt endgültig in Ordnung ist. Fachgerecht gelagert steigen sie dann auch an Wert, was einen weiteren Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten kann. Eine Ausnahme wird nur für Vinho verde gemacht. Der kippt sonst um, und das wäre dann doch schade.

Spanien: Tja, Haushaltsdisziplin muss man lernen. Wenn es sein muss, auf die harte Tour. Zum Beispiel beim Stierkampf. Ein guter Kampfstier kostet bis zu 9000 Euro, sein Fleisch aber ist nach dem Kampf nur noch etwa schlappe 400 Euro wert. Pikanterweise wird die spanische Stierzucht fast ausschließlich durch EU-Subventionen am Leben gehalten. So geht das auf keinen Fall weiter. In spanischen Arenen wird daher bis auf weiteres zwangsweise eine subventionsfreie Low-Budget-Variante eingeführt. Wüstenrennmäuse gibt es schon für etwa zehn Euro das Stück. Die sind schließlich auch ganz schön flink. Und schwerer zu treffen. Viel Glück, Torero!

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