Dienstag, 27. Juni 2017

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Agrarboom in USA Investoren buhlen um Bauernland

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Die Angst vor einer Rezession in den USA wächst - doch steigende Nahrungsmittelpreise machen Agrarland begehrt wie nie. Bauern im Weizengürtel der USA reiben sich bereits die Hände. Sie sitzen plötzlich auf goldenem Boden.

Vancouver - Amerika droht die nächste Rezession, aber die Bauern im Weizengürtel des Mittleren Westens reiben sich die Hände. Sie sitzen plötzlich auf goldenem Boden. Der Grund: Niedrige Zinsen, hohe Agrarpreise und die Unsicherheit an den Finanzmärkten treiben ihre Landpreise in ungeahnte Höhen.

In Iowa und Indiana verteuerte sich Ackerland im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent, berichtet die Notenbankzweigstelle in Chicago. In Illinois kletterten die Preise für Agrarland sogar um 19 Prozent. Das ist der schärfste Anstieg seit 34 Jahren.

"In den vergangenen zwölf Monaten sind bei uns die Landpreise in bäuerlichen Gebieten schneller gestiegen als der Dow Jones Index", erzählt Roy Buskirk, ein pensionierter Preisschätzer für Landwirtschafts-Immobilien in Indiana. "Höhere Einkünfte für Getreide und Vieh treiben die Nachfrage nach Land, sowohl durch Bauern als auch durch Investoren", schreibt die Notenbankfiliale in Chicago.

Die Preisrally von Iowa bis Michigan ist nur ein regionales Beispiel eines weltweiten Trends: Eskalierende Nahrungspreise bescheren der Landwirtschaft rund um den Globus bessere Einnahmen und machen Agrarland in einem Meer der Volatilität an den Finanzmärkten zum neuen sicheren Hafen. "Der Ausblick für die Landwirtschaft ist im Vergleich zu anderen Branchen sehr optimistisch geworden. Solange die Agrarpreise hoch bleiben, wird Ackerland auch noch teurer werden", bestätigt der Agrarökonom Craig Dobbins. Er hat den neuen "2011 Farmland Value Survey" der Purdue-Universität in Indiana mit verfasst. Laut der Studie kletterten die Preise für landwirtschaftliche Grundstücke in dem Bundesstaat binnen zwölf Monaten um 24 Prozent. Das war der höchste Zuwachs seit 1977.

Die Folgen dieses Booms sind weltweit zu spüren: Hedgefonds kauften seit 2009 in Afrika 60 Millionen Hektar Agrarfläche. Das entspricht der Größe von Frankreich. Investoren wie George Soros - und Fonds wie Gavilon in Omaha - kaufen von Wyoming bis hoch nach Toronto fieberhaft Weizenspeicher. Aus einem guten Grund: Sie wollen die Infrastruktur des neuen Agrarbooms beherrschen und die Preise kontrollieren. Kostete die Lagerung in den Weizensilos vor zehn Jahren noch drei Cent pro Buschel (je nach Feuchtigkeit etwa 27 Kilogramm), so werden den Bauern heute acht bis zehn Cent berechnet.

Wuchtiger neuer Investitionstrend

Die Agrarland-Rally reicht bis nach Südamerika. Die Nachfrage vor allem chinesischer Investoren ist in Brasilien und Argentinien so groß geworden, dass die Regierungen beginnen, den Landerwerb durch Ausländer zu beschränken. Im Juni hatte die G20 das Thema Nahrungspreise bei ihrem Treffen in Paris ganz oben auf der Tagesordnung. In den USA stiegen die Verbraucherpreise im Juli um 3,6 Prozent, Nahrungsmittel wurden 4,2 Prozent teurer.

In China erreichte die allgemeine Teuerungsrate im Juli mit 6,5 Prozent ein Dreijahreshoch. Doch Schweinefleisch ist seit Jahresbeginn 57 Prozent teurer geworden. In Deutschland lagen die Verbraucherpreise laut dem Statistischen Bundesamt im Juli 2,4 Prozent über demselben Vorjahresmonat. Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich demnach lediglich um 2,1 Prozent. Doch verschiedene Artikel wiesen zweistellige Zuwächse aus: Butter wurde 11 Prozent teurer, H-Milch 7,1 Prozent.

Die jüngsten Kurskapriolen an den Weltbörsen verleihen dem neuen Investitionstrend noch zusätzliche Wucht. Und das hat mit der Finanzierung zu tun: Landwirtschaftliche Immobilien haben in den USA längst nicht so unter der Finanzkrise gelitten, wie Wohnhäuser oder Bürogebäude. "Während Sie ein Haus fast ohne Anzahlung kaufen konnten", sagt der Agrarexperte Gary Goodwin an der University of Illinois, "wurde für Ackerland bis zu 40 Prozent Eigenkapital verlangt".

Die Folge: Gefährliche Derivate, die vor der Finanzkrise durch die Verbriefung fragwürdiger Hypotheken gestrickt wurden, konnten die Preise in der Agrarwirtschaft nicht annähernd so drücken wie in Wohngebieten und Gewerbeparks. Das verheißt Stabilität, und die ist zurzeit mehr gefragt denn je. "Wenn Sie einen Acker kaufen, können Sie hinfahren und sich Ihr Geld anschauen", erklärt Goodwin die Vorzüge einer solchen Investition anschaulich. Die Investment-Legende Jim Rogers stimmt voll und ganz zu: "Der Bauernstand ist für die nächsten 20 bis 30 Jahre einer der besten Berufe.

Wie stark sich auch Investoren bereits in der Landwirtschaft engagieren, sieht man am schwindenden Anteil, den die Bauern selbst am Erwerb von Land haben. Viele Landwirte re-investieren Gewinne aus den jüngsten Ernten in noch mehr Land. Doch ihr Anteil an der zuletzt verkauften Fläche ging im Weizengürtel der USA von 70 auf 55 Prozent zurück. "Die Bauern wollen jetzt nicht weniger Land, aber sie bekommen mehr Konkurrenz durch die Fonds", erläutert Pat Karst, ein Makler für Agrarimmobilien in dem Städtchen Wabash in Indiana. Wabash wurde bekannt, weil es am 31. März 1880 als erste Stadt der Welt eine flächendeckende elektrische Beleuchtung bekam.

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