Dienstag, 27. Juni 2017

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Wen Jiabao in Berlin Die Mär von der China-Invasion in Deutschland

Yuan-Geldscheine: Noch sind die Investitionen aus China in Deutschland sehr gering

2. Teil: Bundesbank: Belgien investiert zehnmal so viel in Deutschland wie China

Im Jahr 2010 hat China zwar laut Statistiken 28 Milliarden Dollar im Ausland investiert. Doch der überwiegende Teil floss in die Rohstoffindustrie außerhalb Europas. Die Investitionen der Chinesen in Deutschland fallen sehr bescheiden aus. Im Jahr 2009 betrug der Bestand der chinesischen Investitionen in Deutschland gerade einmal 613 Millionen Euro, zeigen Zahlen der Bundesbank. Neuere Zahlen sind nicht verfügbar.

Die Wachstumsraten sind hoch, seit 2006 hat sich die Summe der chinesischen Investitionen hierzulande fast verdoppelt. Trotzdem sind die chinesischen Investitionen in Deutschland noch sehr niedrig: Mit seiner Investitionssumme lag China im Jahr 2009 in etwa auf Augenhöhe mit Liechtenstein, das in Deutschland rund 700 Millionen Euro investiert hat.

Sogar ein vergleichsweise kleines EU-Land wie Belgien hat laut den Daten der Bundesbank in Deutschland die zehnfache Summe der Chinesen angelegt.

Nur zum Vergleich: Mit 20 Milliarden Euro waren die deutschen Investitionen in China im Jahr 2009 beinahe 30 Mal höher als jene der Chinesen in Deutschland.

Großteil der chinesischen Investoren sind Kleinstunternehmen

Von einer Invasion der Chinesen ist also in Deutschland längst noch nichts zu merken. Zumal sich die Manager aus dem Reich der Mitte schwertun, in Deutschland Fuß zu fassen. Vor der Reise von Ministerpräsident Wen Jiabao hat das chinesische Handelsministerium Hürden für Investoren beklagt. Laut seinem Vizedirektor sind Visa und Arbeitsgenehmigungen die größten Hürden für chinesische Unternehmen, die in Europa investieren wollen.

Eine Studie der German Center for Market Entry unter 96 chinesischen Unternehmen in Deutschland bestätigt diese Aussagen. Fast zwei Drittel aller befragten Firmen beklagen grundsätzliche Vorurteile gegenüber chinesischen Unternehmen. Insgesamt gestalte sich der Markteintritt für chinesische Unternehmen in Deutschland schwierig, heißt es in der Studie vom Februar dieses Jahres.

Und noch etwas zeigt die Erhebung: Rund 70 Prozent der hier ansässigen chinesischen Unternehmen sind Kleinstfirmen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Große Produktionsstätten oder Forschungszentren sind eher die Ausnahme - auch wenn sie in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden.

Natürlich werden chinesische Firmen in nächster Zeit verstärkt in Deutschland investieren und auch bei Großprojekten mitbieten. Doch die Gefahr, dass sie Deutschland mit Investitionen überrollen, ist für die nächsten Jahre relativ gering.

China: In vier Schritten zur Weltmacht

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