Sonntag, 24. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Wirtschaftswachstum Zittern um den globalen Boom

Börse im chinesischen Shenyang: Die Turbokonjunktur in China wird in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt verlieren

In den USA gerät die Konjunktur ins Stocken, an den Aktienmärkten bröckeln die Kurse. Auch die Rohstoffpreise gehorchen wieder der Schwerkraft. Handelskonzerne, Techfirmen und Hersteller warnen vor schwächeren Quartalen - die Sorgen um die Weltwirtschaft wachsen wieder.

Vancouver - Es sind die Großen, die vor dem möglichen neuen Unheil warnen. Zu ihnen zählen Firmen wie die Bekleidungskette GAP, der Techriese Hewlett Packard und der Modekonzern Ralph Lauren. Selbst FedEx-Chefökonom Gene Huang, der eine der besten Kristallkugeln in Amerika auf seinem Schreibtisch stehen hat, äußert Sorgen über den Konjunkturausblick.

Sorgen, die von den jüngsten Zahlen aus den USA noch einmal unterstrichen werden: Der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Mai enttäuschte auf ganzer Linie, statt der erwarteten 150.000 neuen Jobs sind im Mai nur 54.000 neue Jobs geschaffen worden. Die Arbeitslosenquote in den USA ist wieder auf 9,1 Prozent gestiegen. Der Einkaufsmanagerindex, der die Aktivität für die US-Industrie anzeigt, ist in der vergangenen Woche von 60 auf 53,5 Punkte eingebrochen und damit so stark wie seit rund 25 Jahren nicht mehr.

Die USA im Konjunkturschock: Selbst die viel bestaunte deutsche Sonderkonjunktur scheint dieser Tage an eine Decke zu stoßen. Der jüngste Ifo-Klimaindex bleibt zwar auf Rekordniveau. Doch die Erwartungen an die kommenden sechs Monate schwinden sichtbar. Und auch die Bundesbank warnt, "in der absehbaren Zukunft ist langsameres Wachstum wahrscheinlich". Das ist so deutlich, wie vorsichtige Notenbanker es auszudrücken vermögen.

Wenn die vergangene Woche eines klar gemacht hat, dann ist es das: Die globale Wirtschaft ächzt unter Gegenwind von hohen Ölnotierungen, Schwächezeichen in der weltgrößten Volkswirtschaft USA, Unruhen im Nahen Osten, stockenden Lieferketten aus Japan, steigenden Nahrungspreisen, dem Schuldendrama in Europa, ersten Schleifspuren in China sowie zahlreichen externen Störungen und Schocks.

Japan ist nach dem verheerenden Erdbeben vom 11. März schon wieder in der Rezession. Allein die letzten sieben Tage brachten Herabstufungen für Belgien, Italien und Portugal, dazu tödliche Verwüstungen durch Tornados in den USA, eine neue Aschewolke aus Island, aber auch schwächere Indizes aus China und die Bestätigung der schwachen Wachstumszahlen in den USA. Dort halbierte sich die Dynamik des Bruttoinlandsprodukts von Januar bis März gegenüber dem Schlussquartal 2010 auf 1,8 Prozent.

USA: "Die Krise ist erst vorbei, wenn wieder genug Jobs entstehen"

"Wir sehen das Ende der Fahnenstange bei Gewinnen und in der Fertigung", konstatiert der Fondsmanager Burt White. Er verwaltet bei LPL Financial in Boston 280 Milliarden Dollar Anlagevermögen. "Wir haben einen delikaten Moment in der Weltwirtschaft erreicht", bestätigt OECD-Generalsekretär Angel Gurria, "die Krise ist erst vorbei, wenn unsere Volkswirtschaften wieder genügend Jobs schaffen".

Das Prognoseunternehmen IHS Global Insight drosselt derweil seine Vorhersage für die globale Wirtschaft im laufenden Jahr auf 3,5 Prozent und zitiert als Grund drei Entwicklungen: Höhere Ölpreise, die Naturkatastrophe in Japan sowie die Sparpakete in westlichen Industrieländern.

"Die Weltwirtschaft löst erneut Double-Dip-Ängste aus", sagt der unabhängige Ökonom Andy Xie in Shanghai. Früher war Xie ein Analysestar bei Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen in Hong Kong. Bis heute ist er einer der angesehensten Chinaexperten in Asien. Xies Schwarzer Schwan - ein unvorhergesehener Schock für das System - ist "die starke Drosselung der chinesischen Turbokonjunktur im zweiten Halbjahr".

Selbst der frühere britische Premier Gordon Brown zweifelt zum Ende dieses Frühjahrs an der laufenden Erholung: "Wenn wir so weiter machen, werden die Historiker in Zukunft einmal sagen, dass die Finanzkrise vor drei Jahren nur das Vorspiel zu einer Serie vermeidbarer Krisen war".

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH