Dienstag, 20. Februar 2018

Euro-Krise Das Aussterben der Europäer

Endzeitstimmung: Der wahre Grund für die Krise des Euro ist das Aussterben der Europäer

manager magazin hat prominente Europapolitiker nach ihrer Diagnose über die Europäische Union und ihre Lösungsvorschläge für die EU befragt. Im letzten Teil der Reihe ziehen wir eine skeptische Bilanz. Das nationale Denken droht die ökonomische Logik eines gemeinsamen Währungsraumes zu sprengen. 

Ein unbestimmtes Endzeit-Gefühl breitet sich aus derzeit. Ohne einer Lösung näher zu kommen, schreitet die unheimliche Euro-Schuldenkrise immer weiter voran. Allen Beteuerungen und Beschwichtigungen zum Trotz. Mehr als ein Jahr nach der Verabschiedung der Griechenland-Hilfe und dem Beschluss, das Rettungsvehikel EFSF zu schaffen, spitzt sich die Lage immer noch weiter zu. Satte 750 Milliarden Euro für den gesamten Rettungsschirm sowie noch mal 110 Milliarden Euro allein für Griechenland haben die Europäer und die Anteilseigner des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Aussicht gestellt. Eine noch vor kurzem unvorstellbar hohe Summe. Trotzdem reicht das ganze Geld nicht aus, um die Lage im Euro-Raum zu stabilisieren.

Nun droht die Krise weitere Kreise zu ziehen: Längst geht es nicht mehr nur um die kleinen Volkswirtschaften Griechenland, Irland, Portugal. Schon länger ist Spanien im Gerede. Inzwischen rücken auch Italien und Belgien auf den Radar der Ratingagenturen, die Warnungen vor einer Herabstufung aussprechen. Sollten sie Schwierigkeiten bei der Refinanzierung am Markt bekommen, dann wäre das schlicht der Finanz-GAU. Denn diese Anleihemärkte sind zu groß, als dass man sie so einfach mit Steuergeldern retten könnte. Falls große Länder ernsthaft in Bedrängnis kämen, helfe nur noch Gelddrucken.

Wie konnte es eigentlich so weit kommen?

Gut, die Griechen haben bei der Zulassung zur Währungsunion betrogen. Gemeinsam haben die Europäer über die hohen internen Ungleichgewichte innerhalb des Euro-Raums hinweggesehen. Die EZB hat über Jahre zuviel Geld in die Märkte gepumpt, so dass Blasen entstanden und Baubooms ungehindert die Wirtschaftsstrukturen verzerren konnten. Die Bankenaufsicht hat versagt, gerade in Ländern wie Irland, dessen Finanzsektor in geradezu grotesker Weise überdehnt ist.

Doch all das reicht als Erklärung nicht aus, warum ein Währungsraum von Weltrang - ja, das europäische Einigungsprojekt insgesamt - an den Rand des Scheiterns kommen konnte.

Schließlich haben auch andere Währungen - der Dollar, das britische Pfund - in ihrer langen Geschichte schwere Krisen durchlaufen, ohne gleich krachend zu scheitern.

Der wahre Grund für die Krise des Euro ist das Aussterben der Europäer. Das nationale Moment überwiegt inzwischen so stark in der Euro-Politik, dass überall in den Mitgliedsstaaten nationale politische Erwägungen die ökonomische Logik eines gemeinsamen Währungsraumes sprengen.

Europa müsste sich in der Krise weiterentwickeln. Aber das gelingt nicht überzeugend, weil es an Europäern mangelt.

Begleitend zu unserem Report im aktuellen Heft haben wir einige überzeugte Europäer zum Interview gebeten: den Konservativen Edmund Stoiber, den Sozialdemokraten Günter Verheugen und den Liberalen Guy Verhofstadt. Bezeichnender Weise sind sie alle nicht mehr an vorderster Front aktiv, sondern wirken inzwischen mehr oder weniger beratend im Hintergrund. Denn echte Europäer gibt es kaum noch in der aktiven Politik.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH