Samstag, 17. November 2018

Strauss-Kahn IWF-Seele, Charmeur, Frauenheld

Charmeur Strauss-Kahn: Für die Franzosen ist der geistreiche und auf dem internationalen Parkett gewandte Landsmann ein klarer Gegenpol zum impulsiven konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Ob er gegen Sarkozy kandidieren würde, ließ Strauss-Kahn bislang offen

Dominique Strauss-Kahn machte Frankreich nicht nur für den Euro fit, sondern verhalf auch dem angeschlagenen IWF wieder zu neuer Geltung. Der Chef der weltweit wichtigsten Finanzfeuerwehr galt als Charmeur und Frauenheld. Letzteres wird ihm jetzt womöglich zum Verhängnis.

Wahington/Paris - In der Öffentlichkeit wird Dominique Strauss-Kahn als Charmeur und von vielen auch als Frauenheld wahrgenommen. Diese persönliche Eigenschaft könnte dem Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) nun aber zum Verhängnis geworden sein: Er wurde in New York festgenommen, weil er ein Zimmermädchen sexuell belästigt haben soll.

Obwohl er seine Kandidatur für das französische Präsidentenamt noch nicht offiziell gemacht hat, führt der 62-Jährige in der Heimat seit langem alle einschlägigen Umfragen an. Sein staatsmännisches Auftreten hat dem Sozialisten viele Sympathien eingebracht. Für die Franzosen ist der geistreiche und auf dem internationalen Parkett gewandte Landsmann ein klarer Gegenpol zum impulsiven konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy, der sich im kommenden April bestätigen lassen will.

Ende 2007 wechselt der ehemalige Rechtswissenschaftler zum IWF nach Washington, löst seinen farblosen spanischen Vorgänger Rodrigo de Rato pünktlich zur internationalen Finanzkrise ab. Er krempelt den Fonds um und machte ihn zum zentralen Krisenhelfer.

Zu neuer Geltung habe er der Institution verholfen, an deren Existenzberechtigung man vor der Finanzkrise schon arg zweifelte. "Er hat der Institution wieder Gewicht gegeben", sagen hochrangige Beamte des Weltwährungsfonds. Von seiner Ausstrahlung schwärmen viele. DSK, wie man ihn nennt, erwächst zum Gesicht, zur Seele einer Institution, die zuvor als kalt und öde galt.

Und nun Täter in einer Sex-Affäre?

Bereits 2008 gerät der smarte Jurist in die Negativschlagzeilen: Eine kurze Affäre mit einer IWF-Volkswirtin zieht Ermittlungen nach sich. Im Zentrum steht der Vorwurf, Strauss-Kahn habe seine Macht missbraucht, um seiner Geliebten Vorteile zu verschaffen. Strauss-Kahn entschuldigt sich öffentlich und darf an der Spitze des IWF bleiben.

Bei seiner Entschuldigung steht seine dritte Ehefrau Anne Sinclair, eine bekannte französische Journalistin, an seiner Seite. Die Szene weckt bei vielen die Erinnerung an die jetzige US-Außenministerin Hillary Clinton, die ihrem Mann, den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, nach dessen Affäre mit einer Praktikantin im Weißen Haus demonstrativ den Rücken stärkte.

Strauss-Kahn machte Frankreich fit für den Euro

Strauss-Kahn war der Architekt der Wirtschaftspolitik, die die französischen Sozialisten 1997 an die Macht gebracht hat. Er selbst übernahm das zentrale Finanzministerium. In dieser Funktion bereitet der "DSK" genannte Politiker Frankreich auf den Euro vor, privatisiert Staatsunternehmen und ruft ein Programm zur Schaffung von 350.000 Arbeitsplätzen ins Leben. 1999 tritt er im Zuge eines Parteifinanzierungskandals bei den Sozialisten zurück. Später wird er freigesprochen. Er war einer der Befürworter der 2005 von den Franzosen abgelehnten EU-Verfassung. Zudem setzt er sich für den deutsch-französischen Motor innerhalb Europas ein.

Bei der Vorausscheidung seiner Partei für die Präsidentenwahl 2006 musste der Jurist dann allerdings seiner Rivalin Segolene Royal das Feld freimachen. Royal kann sich schließlich aber nicht gegen Sarkozy durchsetzen. Der konservative Sieger bringt Strauss-Kahn danach für den IWF-Posten ins Gespräch.

Strauss-Kahn wurde 1949 als Sprössling einer liberalen jüdischen Familie in einem Pariser Vorort geboren und wuchs in Marokko und Monaco auf. Sein Haus in Marrakesch dient ihm auch heute noch als Refugium, wo er Freunde und Angehörige um sich versammelt.

Rei/reuters/dpa-afx

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