Samstag, 17. November 2018

Revolte in Nahost Ölkonzerne fliehen aus Libyen

Gewalt in Libyen: Ölkonzerne auf der Flucht
DPA

Wegen der Proteste in Libyen ziehen Unternehmen ihre Mitarbeiter aus dem ölreichen Wüstenstaat ab, darunter Energiekonzerne wie die BASF-Tochter Wintershall, Statoil oder OMV. In Italien, das enge Handelsbeziehungen zu Libyen pflegt, gerät die Aktie des Ölkonzerns Eni unter Druck.

Tripolis - Die BASF-Tochter Wintershall fliegt wegen der Unruhen in Libyen Mitarbeiter nach Deutschland aus und drosselt die Produktion. Davon betroffen seien rund 130 Personen, teilte das Unternehmen mit. Das Büro in Tripolis bleibe vorübergehend unbesetzt, eine kleine Kernmannschaft bleibe jedoch vor Ort.

Auch die Produktion der acht Ölfelder, die Wintershall vor Ort mit dem libyschen Partner National Oil Corporation (NOC) betreibt, wird von den Massenprotesten gegen Machthaber Muammar Gaddafi beeinträchtigt. Ob die Anlagen teilweise oder ganz heruntergefahren würden, sei noch nicht klar. Libyen ist für Wintershall ein wichtiger Standort, das Unternehmen produziert dort pro Tag bis zu 100.000 Barrel Öl. Wintershall ist seit 1958 in Libyen aktiv, die Ölfelder des Konzerns liegen rund 1000 Kilometer südöstlich von Tripolis.

Auch Statoil, OMV und RWE fliegen Mitarbeiter aus

Wegen der sich zuspitzenden Situation in Libyen ziehen immer mehr internationale Unternehmen ihr Personal aus dem nordafrikanischen Land ab. Der norwegische Ölkonzern Statoil Börsen-Chart zeigen begann am Montag ebenfalls, ausländische Beschäftigte außer Landes zu bringen, wie ein Sprecher in Oslo sagte. Der Sitz des Unternehmens in der Hauptstadt Tripolis sei geschlossen worden.

Der österreichische Energiekonzern OMV will ebenfalls wegen der Unruhen Mitarbeiter aus Libyen ausfliegen. Elf der 15 Ausländer, die in Libyen für den Konzern arbeiten, sollten abgezogen werden, teilte das Unternehmen am Montag in einer Information mit.

Die OMV beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt 53 Mitarbeiter in dem Land. Auch Familienangehörige sollen demnach ausreisen. "Derzeit hat die Situation keine Auswirkungen auf unsere operativen Tätigkeiten", heißt es in der Mitteilung. Der Konzern erwirtschaftet rund zehn Prozent seiner Öl- und Gasproduktion in Libyen, das sind nach Angaben des Unternehmens rund 34.000 Barrel (5,4 Mio Liter) Öl am Tag. OMV-Aktien verloren am Montag in Wien über vier Prozent an Wert und notierten am Mittag bei 32,50 Euro.

Italiens Börse auf Talfahrt - enge Handelsbeziehungen zu Libyen

Die Proteste in Libyen schickten unterdessen vor allem die italienische Börse auf Talfahrt. Die größten Verlierer im Mailänder Leitindex, der 2,1 Prozent einbüßte, waren mit einem Minus von jeweils rund 5 Prozent der Ölkonzern Eni Börsen-Chart zeigen und die Baufirma Impregilo. Beide Unternehmen sind stark in Libyen engagiert, wo Demonstranten seit Tagen gegen die Regierung von Muammar Gaddafi auf die Straße gehen. Das nordafrikanische Land ist der Haupt-Öllieferant Italiens.

Auch der italienische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Finmeccanica Börsen-Chart zeigen brachte knapp zehn ausländischen Mitarbeiter aus dem Land.

Auch der österreichische Baukonzern Strabag, der fünf Baustellen in und bei der Hauptstadt Tripolis unterhält, hat nach Angaben einer Unternehmenssprecherin bereits die Hälfte der Mitarbeiter ausgeflogen

Ölpreis schnellt weiter in die Höhe - Brent bei 105 Dollar je Barrel

Libyen ist nach Nigeria, Algerien und Angola der viertgrößte Ölproduzent in Afrika. Das Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) fördert täglich rund 1,8 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl. Der Großteil des libyschen Öls wird nach Europa exportiert.

Die Unruhen in dem Land trieben den Ölpreis für die Nordseesorte Brent am Montag über die Marke von 105 Dollar pro Barrel - der höchste Stand seit Ende September 2008. In letzter Zeit hat Libyen auch das verstärkte Erschließen seiner Gasvorräte begonnen. Zuletzt führte Libyen zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr aus.

Der britische Ölkonzern BP bereitete eine mögliche Evakuierung binnen 48 Stunden vor. Im Falle einer Evakuierung müssten auch laufende Bohrungen im Westen des Landes eingestellt werden, sagte ein BP-Sprecher. Der Konzern beschäftigt in Libyen 140 Mitarbeiter, 40 davon sind Ausländer.

la/rtr/dpa

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