Chinamanager magazin RSS  - China

Alle Artikel und Hintergründe


19.01.2011
Twitter GooglePlus Facebook

Ruinöser Firmenstreit in China
Mit Rufmord-Kampagnen und Mutter-Wut

Von Christiane Kühl, Shanghai

Wettbewerb: Im Kampf um Marktanteile wenden chinesische Firmen oftmals krude Methoden an
REUTERS

Wettbewerb: Im Kampf um Marktanteile wenden chinesische Firmen oftmals krude Methoden an

Verunglimpfungen und Unterstellungen: Zwei bizarre Streitfälle zwischen chinesischen Firmen zeigen, mit welch brutalen Geschäftsmethoden in China um Marktanteile gefochten wird. Sie sind ein Beispiel für das, was auch deutschen Firmen blühen kann - und worauf hierzulande niemand vorbereitet ist.

Hamburg - Besorgte Eltern glaubten es sofort. Weiblichen Babys wachsen nach dem Genuss von Milchpulver der Marke Yili plötzlich Brüste! In chinesischen Foren und Newsrooms kursierten Berichte, Yili-Babymilch enthalte Docosahexaensäure (DHS), eine aus Fischöl extrahierte Chemikalie, die die Hirnentwicklung von Kindern fördern solle - aber gesundheitsschädlich sei und für Frühpubertät sorge. Blogger trugen die Meldungen weiter. Schwangere Frauen beschimpften Yili in Chatrooms.

Doch dann kam heraus: Das ganze war eine Rufmord-Kampagne, angezettelt vom Yili-Konkurrenten Mengniu. Dieser nutzte den Umstand, dass Chinas Öffentlichkeit ihren Milchfirmen derzeit alles zutraut. Denn kaum eine Milchmarke kam ungeschoren davon, als 2008 mehrere Molkereien das eigentlich in der Kunststoffherstellung verwandte Melamin in Milchprodukte panschten - vor allem in Babymilch. Sechs Babys starben damals, rund 300.000 erkrankten unter anderem an Nierensteinen.

Yili reagierte empört, als die Sache aufflog. Mengniu wiegelte ab: Ein einzelner Manager namens An Yong habe die 290.000 Yuan teure Kampagne ohne das Wissen der Unternehmensführung angestoßen. Er soll eine Reklamefirma und beliebte Blogger bezahlt haben, damit sie die Berichte lancieren und sich im Netz als Schwangere ausgeben. Nun ermittelt die Polizei. An Yong wurde festgenommen, ebenso wie drei Mitarbeiter der PR-Agentur BossePR in Peking. Fast 100 Beiträge hätten bezahlte Autoren in Foren gestellt "um die Gefühle der Internetnutzer aufzuwühlen", teilte die Polizei in Hohhot in der Inneren Mongolei - dem Sitz beider Firmen - mit. Der beliebteste sei 200.000 mal angeklickt worden.

Der Wettbewerb in Chinas Konsumgütermarkt wird immer schärfer - und so kehren zwischen Konkurrenten immer rauere Sitten ein. Vielfach nutzen Firmen rechtliche Grauzonen und unklare ethische Grundsätze um Kontrahenten eins auszuwischen. "Keiner weiß genau, was für ein Gesetz Mengniu und An Yong eigentlich gebrochen haben", sagt Alistair Nicholas, Chef der PR-Strategie-Agentur AC Capital in Peking. "Dass die Gesetze vage und lückenhaft sind, ist Teil des Risikos hier in China." Hinzu komme ein enormer Boom von PR-Firmen, deren Mitarbeiter nicht immer gut genug ausgebildet sind, sagt Nicholas: "Die PR-Industrie ist relativ neu und unterentwickelt, und die Methoden oft etwas krude."

Börsennotierte Firma mit Haifisch-Methoden

Chinesische Experten fordern angesichts des Yili-Falles eine Anpassung des Wettbewerbsrechts und schärfere Kontrollen. Zhou Zucheng, Professor für Unternehmensethik an der Shanghaier Jiaotong-Universität, sagte, er sei überrascht, dass selbst eine angesehene, börsennotierte Firma wie Mengniu zu solch bizarren Taktiken greift.

Parallel beharken sich Chinas größter Kurznachrichten-Dienst (Instant Messaging) Tencent und der Antivirus-Anbieter Qihoo 360. Qihoo erklärte im Herbst, der Instant Messenger QQ von Tencent - den sagenhafte 600 Millionen User benutzen - scanne private Daten seiner Nutzer und werte diese aus. Tencent reagierte empört und zerrte Qihoo vor Gericht. Tencent kündigte zudem an, jeden QQ-Nutzer zu sperren, der Qihoos Sicherheitssoftware 360 Safeguard verwendet.

Gegen Firmenzoff dieser Art sind in China auch ausländische Firmen nicht gefeit. Es gebe etwa immer wieder Streit zwischen Joint Venture-Partnern, sagt Ralph Koppitz, Partner bei der Kanzlei Taylor Wessing in Shanghai. Diese können im Extremfall bis zur Auflösung des Gemeinschaftsunternehmens führen.

So zerstritt sich der Lebensmittelkonzern Danone Chart zeigen mit seinem Partner Wahaha, dem größten Mineralwasserproduzenten Chinas. Danone hatte Wahaha 2007 vorgeworfen, außerhalb des gemeinsamen Joint-Ventures Nebengeschäfte zu tätigen, die in Konkurrenz zum Joint-Venture stehen. Die Partner trugen dies vor mehr als 30 Gerichten im In- und Ausland aus. Vor einem Jahr schließlich verkauften die Franzosen entnervt ihren 51-Prozent-Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen an Wahaha.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

© manager magazin online 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?