Montag, 16. Juli 2018

Neue Schätzung Irak meldet ein Viertel mehr Ölreserven

Große Hoffnung: Ölfeld im Südirak

Der Irak hat viel größere Erdölreserven als bislang bekannt. Laut der neuen Schätzung sind die nachgewiesenen Vorkommen um 24 Prozent größer - und übersteigen auch den Ölreichtum des Nachbarn Iran. Das kriegsgeplagte Land hofft auf starke Investitionen und eine Produktion auf dem Niveau von Marktführer Saudi-Arabien.

Bagdad - Öl-Minister Hussein al-Schahristani sagte am Montag vor der Presse in Bagdad, auf den irakischen Ölfeldern lagerten nach neuesten Schätzungen insgesamt 143,1 Milliarden Fass Öl. Das sind rund 24 Prozent mehr, als man bisher vermutet hatte. Damit würde der Irak in der internationalen Rangfolge der Erdölstaaten den Iran überholen. Den Spitzenplatz nimmt nach einer Statistik des Ölkonzerns BP Saudi-Arabien mit nachgewiesenen Reserven von 264,6 Milliarden Fass ein, auf Rang zwei folgte bisher Iran mit 137,6 Milliarden Fass (je 159 Liter).

Es handele sich um Öl, das mit im Lande verfügbarer Technik aus dem Boden geholt werden könne, sagte Al Scharistani. Das Öl lagere in 66 bekannten Ölfeldern. Es seien noch weitere Regionen zu erforschen, so dass die Reserven sogar noch größer sein könnten. Irak exportiert derzeit etwa 1,9 Millionen bis zwei Millionen Fass Erdöl pro Tag und erlöst damit fast seine gesamten Deviseneinnahmen.

Im vergangenen Jahr versteigerte das kriegsgeschädigte Land Förderlizenzen für zehn Ölfelder an ausländische Unternehmen. Irak hofft, dass der Ausstoß dieser Ölquellen bis 2017 auf 12 Millionen Fass pro Tag gesteigert werden kann. Damit würde das Land beinahe mit der gegenwärtigen Förderung in Saudi-Arabien gleichziehen.

Berücksichtigt man sogenannte unkonventionelle Rohölvorkommen beispielsweise in Ölschiefer oder teerartigem Bitumen, verfügen allerdings Kanada und Venezuela über weit größere Ölreserven als Iran und Irak. Deren Förderung freilich ist wesentlich aufwendiger und erfordert erheblich höhere Preise als die konventionelle Förderung in Ländern wie Irak oder Saudi-Arabien.

Al-Schahristani erklärte, er wolle die neuen Daten an die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) übermitteln, die für jeden ihrer Mitgliedstaaten eine Förderquote festlegt. Daten zu den Erdölreserven des Irak waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten wegen der zahlreichen Konflikte und Kriege nicht flächendeckend erhoben worden.

Die meisten großen Ölfelder des Landes liegen im Süden, der vorwiegend von schiitischen Arabern bewohnt wird und wo es im Vergleich zu anderen Teilen des Landes ein weniger großes Terrorrisiko gibt. Die Ölindustrie ist mit Abstand der wichtigste Industriezweig des Landes. Die Förderanlagen und Raffinerien des Landes sind zum Teil marode. Die Regierung, die eine Modernisierung aus eigenen Mitteln nicht finanzieren kann, hat deshalb in den vergangenen Jahren Verträge mit mehreren ausländischen Ölkonzernen abgeschlossen.

ak/dpa-afx/dapd

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