Mittwoch, 28. Juni 2017

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Ende des Quantitative Easing Die Fed hat ihre Ziele verfehlt - und die Fallhöhe ist hoch

Ende des Gelddruckens: Die US-Notenbank stellt ihre Anleihekäufe ein - doch die Zinsen bleiben weiterhin niedrig

Die US-Notenbank lässt ihr spektakuläres Billionen-Programm zur Stärkung der US-Wirtschaft auslaufen. Was lässt sich aus der Aktion lernen? Die Bilanz fällt leider beunruhigend aus.

Nun ist es offiziell: Die US-Notenbank Fed beendet die Politik des Quantitative Easing (QE). Seit Beginn des Programms hat sie für immerhin fast 4000 Milliarden Dollar Wertpapiere gekauft, vor allem Staatsschulden und hypothekenbesicherte Anleihen. Ziel war es, die US-Wirtschaft aus der Krise zu holen und die Arbeitslosigkeit zu senken. Die Leitzinsen bleiben zwar vorerst auf dem derzeitigen tiefen Niveau, doch deutete die Fed auch hier einen Richtungswechsel für das kommende Jahr an.

Die Genesung der Wirtschaft in Amerika scheint weit genug zu sein, so dass es auch ohne die massive Unterstützung der Notenbank weiter vorangeht. Die Börsen signalisieren dies nicht. Statt sich über die positive Einschätzung zur Wirtschaftslage zu freuen, verkauften die Börsianer. Billiges Geld scheint wichtiger zu sein als eine gute Konjunktur. Trotzdem wird die Politik des QE im angelsächsischen Raum als großer Erfolg gewertet.

Gerade mit Blick auf Europa wird von Kommentatoren und Wirtschaftswissenschaftlern immer wieder festgestellt, dass es der Eurozone weitaus besser ginge, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) dem Vorbild der US-Notenbank gefolgt wäre und durch massiven Aufkauf von Staatsanleihen die Wirtschaft aus der Krise geführt hätte. Unabhängig davon, dass dieser Wirkungsmechanismus in Europa gar nicht funktionieren würde wegen der völlig anderen Struktur der Finanzmärkte lohnt sich ein tieferer Blick auf die Lage in den USA: Denn ob QE wirklich ein Erfolg war, darf bezweifelt werden.

Die Fed hat die angestrebten Ziele verfehlt

Ziel der Geldpolitik war es, dass nominale Wachstum der US Wirtschaft zu steigern. Doch selbst wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA wieder über dem Niveau der Vorkrisenzeit liegt, was für weite Teile Europas nicht gilt, ist das Wachstum immer noch weit unter Vorkrisentrend. Die Arbeitslosigkeit ist zwar deutlich gesunken, aber vor allem weil viele Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind. Der Anteil der Erwerbstätigen an der US-Bevölkerung ist deutlich gesunken.

Betrachtet man die angestrebten Wirkungen der Geldpolitik wird deutlich, wo sie gewirkt hat und wo nicht.

Zunächst sollten tiefere Zinsen es den Schuldnern erleichtern, ihre Schulden zu bedienen. Dies hat mit etwas zeitlicher Verzögerung in den USA gut funktioniert, vor allem weil die Hypothekenzinsen angepasst werden können.

Konsequenz dieser tiefen Zinsen ist naturgemäß eine Umverteilung von Gläubigern zu Schuldnern, was in einer Situation der Überschuldung - und damit haben wir es in der westlichen Welt zu tun - höchst willkommen ist.

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