Von Markus Gärtner, Vancouver
In der Agrarprovinz Saskatchewan, ein Nachbar Albertas, grassiert dank steigender Ölpreise ebenfalls das Energiefieber. Der Verkauf von Förderrechten auf staatlichem Land an Energiefirmen hat im Februar bereits den zweithöchsten Wert aller Zeiten erreicht. In diesem Fiskaljahr sind schon für 467 Millionen Dollar Schürfrechte an Öl- und Gasvorkommen versteigert worden, drei Mal mehr als im Vorjahr.
Für das Öl aus Alberta und Saskatchewan ist der Bau der sogenannten Northern Gateway-Pipeline geplant, eine 1200 Kilometer lange Röhre von Alberta an die pazifische Küste, zur Verschiffung des schwarzen Goldes nach Asien. Chinas Sinopec soll einer der Investoren in dem Projekt sein. China importierte 2010 im Schnitt 4,8 Millionen Barrel Öl pro Tag, ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 18 Prozent.
Den Energiestrategen in Washington wird das alles langsam unheimlich. Auf dem Schreibtisch von Barack Obama liegt daher zur Unterschrift ein Projektantrag für die sogenannte Keystone Pipeline, eine zwölf Milliarden Dollar teure Ölleitung von Alberta über Saskatchewan durch die Raffineriezentren in den USA und weiter bis nach Texas. Das Transportmonster könnte zusätzlich 500.000 Barrel Öl pro Tag aus dem hohen Norden in die USA befördern und in Verbindung mit den bereits beschlossenen Gesetzen für abgasärmere Autos die USA sogar zu einem Nettoexporteur für Benzin und Diesel machen. Das zumindest behauptet der Energieberater Ensys Energy in Lexington, der im Auftrag des US-Energieministeriums das Pipeline-Projekt geprüft hat.
Als das Außenministerium in Washington das Papier am 2. Februar auf seine Webseite stellte, war der Jubel in Kanada groß. Jetzt warten alle auf Obama. Der hatte im Präsidentschaftswahlkampf noch gegen "schmutziges" Öl aus Kanada gewettert. Seit er den Amtseid geleistet hat, war nichts mehr davon zu hören.
© manager magazin online 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH