Samstag, 3. Dezember 2016

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Management Ausländer rein!

Hörsaal der Universität zu Köln: Deutschland wird als Studienland für Ausländer zunehmend attraktiv. Die Unternehmen müssen nachziehen.

Die Wahlen zum Europa-Parlament geben das völlig falsche Signal: Die deutsche und europäische Wirtschaft muss noch viel internationaler und weltoffener werden - auch im Top-Management.

Die Schweizer haben den Anfang gemacht und gegen weitere "Massenzuwanderung" aus der EU abgestimmt. Dann folgte die Europawahl und 20 Prozent der Sitze gingen an Europakritiker - und "Europakritiker" ist fast immer auch ein Synonym für "Einwanderungsgegner".

Das gilt für die Front National in Frankreich genauso wie für Ukip in Großbritannien. Auch die Dänische Volkspartei, die österreichische FPÖ und die ungarische Fidesz haben Probleme mit "zu viel Fremden" im Land. Und in Deutschland erzielte die Alternative für Deutschland einen Achtungserfolg, obwohl sie nach dem Dafürhalten vieler Beobachter von Rechtspopulisten unterwandert ist.

Die vox populi scheint in ganz Europa "Ausländer raus!" zu brüllen - was in krassen Widerspruch zu dem steht, was die Wirtschaft treibt. Der französische Autohersteller Peugeot hat eine Allianz mit Nissan in Japan, Großbritanniens Ikone Mini wird von BMW gebaut, Jaguar und Land Rover gehören der indischen Tata. Hochtief erwirtschaftet einen guten Teil des Gewinns mit der australischen Baugesellschaft Leighton, gehört aber selbst mittlerweile via ACS den Spaniern.

Britische Osterhasen der Marke Cadbury werden von Kraft gemacht, Maggi, das deutscheste aller Gewürze, gehört der Schweizerischen Nestlé, BP und Shell sind immer schon halb britisch, halb niederländisch, die HSBC hat ihre Wurzeln in China, und die Swiss wird längst von der Lufthansa gesteuert. Kurz: Der europäische Wohlstand wird im Austausch mit der Welt geschaffen. Es gibt kaum noch einen Job, der nicht gefährdet wäre, würden die Grenzen in Europa über Nacht dicht gemacht, der Welthandel abgeschafft und Ausländer rausgeworfen.

Tragischerweise jedoch scheitern in ganz Europa Politiker der politischen Mitte an dem Job, der Bevölkerung zu erklären, dass ihr Wohlstand auch durch Immigranten geschaffen wird. Schlimmer noch, nach der Europawahl knicken die ersten Regierungen ein, aus lauter Angst, bald auch bei nationalen Wahlen an die Radikalen zu verlieren. In Großbritannien meldete die Presse bereits, dass arbeitslose EU-Bürger künftig nach sechs Monaten abgeschoben werden.

Was dabei gerne vergessen wird: 53 Prozent der Aktien britischer Unternehmen sind im Besitz von Ausländern und entsprechend sieht es in den Führungsetagen aus: Schon vor vier Jahren ergab eine Untersuchung, dass ein Drittel der von Großbritanniens größten 100 Unternehmen einen Ausländer an der Spitze hatte. Würden die britischen Inseln sich wirklich von allem Ausländischem verabschieden, wären sie die Hälfte ihres Unternehmenskapitals und jeden dritten ihrer Topmanager los. Was das für den Wohlstand der Briten bedeuten könnte, zeigt das Beispiel der Schweiz.

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