Freitag, 15. Dezember 2017

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Energiewende Warum ein Ausstieg aus der Kohle schädlich ist

Für die Kritiker der Kohleverstromung sind qualmende Kühltürme wie die des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG in Jänschwalde Symbole einer verantwortungslosen Energiegewinnung - sie fordern den Ausstieg. Inzwischen gibt es Pläne für eine Abgabe auf die als Klimakiller geltenden Kraftwerke.

4. Teil: Der schleichende Prozess der Deindustrialisierung hat bereits begonnen

Um einen Brennstoffwechsel von Braunkohle zu Gas ohne den Baake-Knieschuß-Trick auszulösen, müssten sich die CO2-Preise nahezu verzehnfachen, was einen verheerenden Effekt auf die Strompreise und die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrie hätte. Die zukünftigen Gaspreise sind kaum kalkulierbar, die heimische Förderung der Braunkohle ist sicher und kostenstabil sowie von Weltmarkteinflüssen völlig unberührt. Die Braunkohle aus dem rheinischen Revier und der Lausitz ist der Garant für den Erhalt der deutschen energieintensiven Industrie, sei es die Erzeugung von Stahl , Kupfer, Silizium oder Aluminium, sei es die Grundstoffchemie oder die Erzeugung technischer Gase wie Sauerstoff, Wasserstoff, Chlor oder Ammoniak. Wer hier die Axt anlegt, muss wissen, dass mit einem Wegfall dieser Produktionen die vertikal integrierten Wertschöpfungsketten der Metallverarbeitung, der Elektro- und chemischen Industrie ins Wanken geraten. Die Stromkosten für die Industrie sind schon heute um 26 Prozent höher als der EU-Durchschnitt. Zu den USA liegt der Unterschied mittlerweile bei 150 Prozent. Der schleichende Prozess der Deindustrialisierung hat bereits begonnen. Die Gewinner unserer Arbeitsplatzverluste werden die USA und Fernost sein.

Es bedarf einer grundlegenden Reform des Erneuerbaren Energiegesetzes, die Kosten sind zu begrenzen und der Ausbau darf erst wieder Fahrt aufnehmen, wenn Ausgleichskraftwerke, Speicher und Netze in ausreichender Kapazität zur Verfügung stehen. Erneuerbare werden eine Zukunft haben, dort, wo sie wettbewerbsfähigen Strom produzieren und Netze den Strom aufnehmen und zum Verbraucher transportieren können. Subventionieren der Technologien von gestern durch Einspeisevergütungen muss ersetzt werden durch eine massive Förderung von neuen technologischen Lösungen. Der Entwicklungsingenieur, die start-ups müssen wieder im Vordergrund stehen und nicht mehr die Projektentwickler und Fondbesitzer, die zum hundertsten Mal einen Wind-oder Solarpark wie gehabt ans Netz bringen, ohne sich darum kümmern zu müssen, wann und wohin der Strom eingespeist werden soll. Das Erneuerbare-Energie-Gesetz in der heutigen Fassung unterstützt die alten Hüte des letzten Jahrzehnts, bringt keine CO2-Minderung und erodiert den Industriestandort Deutschland. Es ist kein Exportschlager sondern ein Auslaufmodell, dessen Folgen kaum noch zu bewältigen sind.

Vielleicht sollten die norwegischen Politiker, vor allen Dingen aber deutsche Politiker darüber mal nachdenken.

Fritz Vahrenholt ist ehemaliger Umweltsenator von Hamburg. Er war danach Vorstand für Erneuerbare Energien bei der Deutschen Shell, gründete den drittgrößten deutschen Windanlagenhersteller Repower und führte die Tochter für Erneuerbare Energien Innogy des Energiekonzerns RWE. Von 2001 bis 2007 war Vahrenholt Mitglied des Nachhaltigkeitsrates von Gerhard Schröder und Angela Merkel. Vahrenholt ist Mitglied des Senats der Fraunhofer-Gesellschaft und Mitglied der Akademie der Technikwissenschaften Acatech. Er ist unter anderem Mitglied des Aufsichtsrates des Kupferproduzenten Aurubis und Autor des klimawandel-kritischen Buches "Die Kalte Sonne". Seit 2012 ist Vahrenholt Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung.

Das vom Autor erwähnte Fehlen einer signifikanten globalen Erwärmung in den vergangenen 16 Jahren ist inzwischen bei Klimaforschern umstritten. Die "Pause" bei der Klimaerwärmung sei, so eine neue Studie, das Ergebnis von Fehlinterpretationen der Temperaturmessungen.

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