Samstag, 25. März 2017

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Energiewende Warum ein Ausstieg aus der Kohle schädlich ist

Für die Kritiker der Kohleverstromung sind qualmende Kühltürme wie die des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG in Jänschwalde Symbole einer verantwortungslosen Energiegewinnung - sie fordern den Ausstieg. Inzwischen gibt es Pläne für eine Abgabe auf die als Klimakiller geltenden Kraftwerke.

2. Teil: Wir werden noch häufiger Strom im Ausland entsorgen müssen

Der deutsche Weg des Ausstiegs aus Kernenergie und Kohle ist keine überzeugende Blaupause für die Energieerzeugung in anderen Ländern.

Bundesumweltminister Gabriel weiß, dass bei ungebremsten Ausbau eine Kostenlawine von 1000 Milliarden Euro auf uns zukommt. Die Geringverdiener und Mieter finanzieren den Eigenheimbesitzern, Gutverdienern und Landwirten die Solardächer. Der dreiköpfige Durchschnittshaushalt wird mit 250 Euro jährlich zur Kasse gebeten. Wir fragen uns: Warum in aller Welt müssen wir in einem Land, das eine Sonneneinstrahlung vergleichbar mit der von Alaska aufweist, in den nächsten Jahren die Photovoltaik-Kapazität auf 52.000 Megawatt (MW) ausbauen? Zusammen mit Wind sind das dann mehr als 100.000 MW bei einer Höchstlast in Deutschland von 80.000 MW im Winter und 35.000 MW im Sommer. Wir werden noch häufiger als heute den Strom ins Ausland entsorgen und Geld drauflegen, damit Österreich, Holland, Polen, Tschechien ihn uns abnimmt.

Die Nachbarn freuen sich nicht besonders über den über die Grenzen schwappenden Abfallstrom, denn er zerstört die Wirtschaftlichkeit der dort im Betrieb befindlichen Kraftwerke. Pumpspeicherwerke in Österreich und der Schweiz geraten in die Unwirtschaftlichkeit. Das kann doch nicht unser Plan sein? Aber nicht nur der Überschuss wird zum Problem. Wind- und Solarenergie liefert keine gesicherte Leistung. Windkraftanlagen erzeugen augenblicklich nur so viel Strom, als würden sie gerade einmal 1800 Stunden im Jahr mit voller Leistung laufen. Bei Photovoltaik sind es 800 Volllaststunden. Das Jahr hat aber 8760 Stunden. Um eine 10-tägige Windflaute zu überbrücken, bräuchte man im Szenario der Bundesregierung eine Strommenge aus Pumpspeicherkraftwerken, die dem Volumen des immerhin 500 Quadratkilometer großen Bodensees entspricht.

China macht deutsche CO2-Reduktion in zwei Monaten wett

Es kommt eine netztechnische Herausforderung hinzu, die häufig vergessen wird. In einer hochentwickelten Industriegesellschaft benötigen wir jederzeit eine Sekundenreserve, dann, wenn ein Stahlwerk angefahren wird, wenn ein ICE den Bahnhof verlässt, wenn das Flutlicht in einem Stadion eingeschaltet wird. Diese Sekundenreserve können nur Generatoren laufender Großkraftwerke liefern, die in Sekunden automatisch die Nachfrage ausgleichen. In Deutschland benötigt man hierfür zur Zeit etwa 15.000 MW laufender konventioneller Kraftwerke. Photovoltaik und Windkraftwerke sind dazu nicht in der Lage.

Zu allem Überfluss wird mit jedem neugebauten Windkraftwerk, mit jedem neuen Solardach nicht ein Gramm CO2 vermieden. Das liegt an der Tatsache, dass in Europa der Ausstoß an CO2 durch den Zertifikatehandel festgelegt ist. Werden also durch ein neues Windkraftwerk CO2-Mengen eingespart, werden automatisch CO2-Zertifikate freigesetzt, die irgendwo in Europa wieder zu zusätzlichen CO2-Emissionen führen. Deutschland hat heute einen Anteil von 2 Prozent an der weltweiten CO2-Emission, China 27 Prozent mit steigender Tendenz. Um es salopp zu formulieren: Der Beitrag der CO2-Reduktion durch einen oft geforderten Verzicht auf Braun-und Steinkohle in Deutschland wird durch das Wachstum in China in zwei Monaten wieder wettgemacht.

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