Sonntag, 4. Dezember 2016

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Dritte Welle der Schuldenkrise Janet Yellen wird es wieder richten müssen

Skeptische Janet Yellen: Früher oder später muss die Chefin der US-Notenbank wieder eingreifen, damit die dritte Welle der globalen Schulden-Deflationsspirale nicht alles überrollt

Die Märkte haben einen denkbar schlechten Jahresauftakt hingelegt. Aktien, Unternehmensanleihen und Rohstoffe verzeichnen auf breiter Basis deutliche Kursrückschläge. Darüber hinaus hat eine Vielzahl an Währungen gegenüber dem Euro an Wert verloren. Diese Bewegungen sind weit mehr als die Folgen einer Konjunkturdelle in China. Was wir erleben, ist die dritte Welle der globalen Schulden-Deflationsspirale, die 2007 ihren Anfang nahm. Sie ist noch lange nicht zu Ende und letztlich wird nur eine Institution ihre Wirkung abmildern können.

Während der ersten Welle der Schulden-Deflationsspirale hat das Platzen der Hauspreisblase in den USA den unterkapitalisierten Bankensektor gezwungen, seine Bilanzen zu bereinigen, wodurch eine sich selbstverstärkende Abwärtsspirale in Gang gesetzt wurde. Niedrigere Aktivapreise schwächten die Bankbilanzen und erhöhten den Verkaufsdruck - was wiederum mit einer schwächeren Wirtschaft und weiter sinkenden Aktivapreisen einherging. Diese systemische Abwärtsspirale bedrohte das globale Finanzsystem und konnte nur mit massiver Hilfe von Seiten der Zentralbanken, Milliarden schweren Konjunkturprogrammen und einem Transfer von Risiken aus dem Bankensektor in den Staatssektor durchbrochen werden.

Auf Grund dieser enormen staatlichen Unterstützungsprogramme und vor dem Hintergrund der anhaltenden Wachstumsschwäche sind die Schuldenstände und die Budgetdefizite vieler Staaten deutlich gestiegen. Diese dramatische Verschlechterung der Schuldendynamik löste 2011 die zweite Welle der Schulden-Deflationsspirale aus: die Staatsschuldenkrise in der Eurozone. Während dieser Krise explodierten die Zinsen für die Anleihen der Peripherie-Länder, diverse Staaten verloren ihren Marktzugang.

Daniel Pfändler
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    Daniel Pfändler ist Gründer der unabhängigen Research Firma Research Ahead GmbH und verfügt über langjährige Erfahrung in der makroökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie.
Die betroffenen Staaten mussten drastische Sparmaßnahmen umsetzen, um ihre Schuldendynamik zu stabilisieren, verstärkten damit aber gleichzeitig den wirtschaftlichen Abschwung. Erst mit der Hilfe der Kernländer (über den EFSM/ESM) und insbesondere der EZB (über verschiedene Anleihekaufprogramme) konnte diese Abwärtsspirale durchbrochen werden und die Eurozone auf einen moderaten Wachstumspfad zurück finden.

Vor dem Hintergrund dieser Krisen ist viel Geld aus den USA und Europa in die Schwellenländer und Rohstoffe produzierenden Volkswirtschaften geflossen, die eine niedrige Verschuldung und ein hohes Wachstum vorweisen konnten. So hat sich der jährliche Kapitalzufluss in die Schwellenländer von 500 Milliarden US-Dollar in den Jahren vor 2007 auf 1100 Milliarden US-Dollar in den Jahren von 2010 bis 2013 mehr als verdoppelt.

In der Zwischenzeit hat sich jedoch das Wachstum in einer Vielzahl von Schwellenländern - insbesondere auch China - abgeschwächt. Auch wurden die Kapazitäten im Rohstoffsektor deutlich erhöht, und es hat sich ein fundamentales Überangebot gebildet. Darüber hinaus hat sich die Verschuldung in vielen Schwellenländern und Rohstoffe produzierenden Volkswirtschaften spürbar erhöht - hauptsächlich im Unternehmenssektor.

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