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29.08.2011
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Schuldenkrise
Euro-Raum - ganz oder gar nicht

Von Henrik Müller

Kern der Euro-Krise: Die 17 Mitgliedstaaten bleiben eine Antwort schuldig, was sie zusammenhält
DPA

Kern der Euro-Krise: Die 17 Mitgliedstaaten bleiben eine Antwort schuldig, was sie zusammenhält

Die Finanzmärkte fordern eine Entscheidung über den Euro heraus: Vereinigte Staaten von Europa oder die Zerlegung des Euro - alle Lösungen dazwischen scheinen nicht überzeugend zu sein. Europa muss dringend eine Vision für eine gemeinsame Zukunft entwickeln.

Hamburg - Lange haben Regierungen und Notenbanken eine eigenwillige Interpretation der Ereignisse gepflegt: Dies sei keine Krise des Euro, sondern eine Krise einzelner Staaten des Euro-Raums. Darauf beharrten die obersten Entscheidungsträger, von Kanzlerin Angela Merkel bis Euro-Bank-Präsident Jean-Claude Trichet.

Doch längst geht es an die Substanz des Währungsraumes: Mit Italien steht inzwischen ein Mitgliedstaat unter Beobachtung der Finanzmärkte, der so groß und so hoch verschuldet ist, dass er nicht mehr so einfach per Garantieerklärung von den Partnern gerettet werden kann.

Das Krisenmanagement der Regierungen ist stets zwei Schritte hinter der Entwicklung an den Märkten zurück. Und durch die Europäische Zentralbank (EZB) geht in zwischen ein Riss wegen der Intervention der EZB zugunsten angeschlagener Mitgliedstaaten. Symptome, die zu ignorieren gefährlich wäre.

Dies ist der Kern der Euro-Krise: Die 17 Mitgliedstaaten bleiben eine überzeugende Antwort darauf schuldig, was sie zusammenhält - wie viel Solidarität sie zu üben bereit sind, wie ihre gemeinsame Zukunft aussehen könnte und welche Institutionen und Regeln sie sich geben.

Die beiden Extremlösungen sind politisch bislang unvorstellbar

Europa, warnte Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) beim Notenbankertreffen in Jackson Hole am Wochenende, brauche eine "gemeinsame Vision für seine Zukunft". Die derzeitigen ökonomischen Unruhen hätten "einige ernstzunehmende Schwächen in der Architektur der Euro-Zone offen gelegt, Schwächen, die die Tragfähigkeit des gesamten Projekts gefährden".

In der Tat: Die Finanzmärkte fordern eine Entscheidung heraus - weitgehende Integration (und damit die " Vereinigten Staaten von Europa") oder aber die Zerlegung der Währungsunion in ihre Elemente.

Vereinigte Staaten von Europa oder Rückfall in Nationalstaaterei. Ganz oder gar nicht - alle Lösungen dazwischen scheinen nach der Logik der Finanzmärkte nicht überzeugend zu sein.

Doch die beiden Extremlösungen sind politisch bislang unvorstellbar. Eben das ist das Problem. Deshalb haben wir es mit einer Krise des Euro zu tun.

Angela Merkel gibt inzwischen, nach langem Zögern, eindeutige Bekenntnisse zur europäischen Einigung ab. Die Währungsunion soll zusammenhalten, Deutschland wird nicht ausscheren. Aber wenn es konkret wird, ist die Sache schwieriger: Die Deutschen mögen keine Extremlösungen.

Vor dem Hintergrund der Schrecken einer extremen Geschichte bevorzugen sie mittlere Lösungen, keine radikalen: Durchwursteln - statt großem Sprung nach vorn (oder zurück).

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Henrik Müller ist stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

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Heft 8/2011

Euro-Krise
Die Bundesbank und ihr Präsident Jens Weidmann müssen sich in der schwers-ten Währungskrise seit dem Krieg bewähren. Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 8/2011, ab Seite 88.










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