Dienstag, 28. Juni 2016

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Risiko Demographie Zwei Instrumente gegen die Überalterung unserer Gesellschaft

Praktisch Roboter könnten die Sozialkassen füllen, ohne selbst jemals Leistungen zu beziehen

Der Mangel an neuen Arbeitskräften wird unsere Volkswirtschaft überfordern. Was uns retten könnte, aber politischen Mut erfordert: Mehr Zuwanderer, beherzte Förderung der Robotertechnik.

Die erfreulich gute Wirtschaftslage in Deutschland verführt nicht nur die Politik dazu, den Blick für die langfristigen Probleme zu verlieren. Vor allem eines ist besonders gefährlich: die demographische Entwicklung. Weil sie sich schleichend vollzieht, geht es uns aber wie dem Frosch, der, wenn er in heißes Wasser geworfen wird, sofort herausspringt, wenn er jedoch langsam erhitzt wird, sitzen bleibt bis es zu spät ist.

Mehrere Faktoren führen dazu, dass wir langsam erhitzt werden und statt zu handeln, die Probleme sogar noch verschärfen, wie die Rentenpolitik der aktuellen Regierung eindrucksvoll unterstreicht. Die Erwerbsbevölkerung schrumpft seit ein paar Jahren, doch steht uns der dramatische Rückgang um rund 10 Millionen bis 2050 noch bevor. Damit einhergehend steigt die Anzahl Rentner, die finanziert werden muss, von rund 30 pro 100 Erwerbstätige heute auf 57 im Jahr 2050. Die Kosten für diese alternde Gesellschaft sind nicht gedeckt und schon im Jahre 2009, vor Eurokrise und Rentengeschenken, wurden die wahren Schulden des deutschen Staates auf 413 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt geschätzt. Dabei tröstet es wenig, dass es in anderen Ländern nicht besser aussieht.

Nur durch eine massive Steigerung des Wirtschaftswachstums wird es möglich sein, diese Kosten einigermaßen im Griff zu behalten. Doch wo soll dieses Wachstum herkommen? Zum einen können wir versuchen den Rückgang der Erwerbsbevölkerung zu verlangsamen oder gar rückgängig zu machen. Dies geht über längere Lebensarbeitszeit (genau das Gegenteil macht gerade die Regierung), höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und mehr qualifizierte Zuwanderung. Bei der Zuwanderung haben wir in den letzten Jahren erheblich von der Krise in den anderen Ländern der Eurozone profitiert.

Doch ist es zu früh, darüber zu jubeln. Zum einen ist selbst die Zuwanderung von mehreren Hunderttausend Menschen nicht ausreichend, um den Rückgang der Erwerbsbevölkerung zu stoppen. Es kommt nur zu einer Verlangsamung. Zum anderen scheint es uns nicht zu gelingen, die Zuwanderer auf Dauer zu halten. Zu schnell entscheiden sich diese weiterzuziehen oder in ihre Heimatländer zurückzukehren. Das laute politische Getöse um die sogenannte Armutszuwanderung schafft dabei kein freundliches Klima für Zuwanderer.

Hinzu kommt, dass diese Zuwanderung zugleich die Wachstumsaussichten der Heimatländer schwächt und wir letztlich mehr Geld in diese Länder transferieren müssen im Rahmen der europäischen Solidarität. Besser wäre es, Zuwanderer aus anderen Regionen der Welt, allen voran Asien und Indien, anzuziehen. Hier stehen wir jedoch in einem globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe und sind denkbar schlecht gerüstet.

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