Sonntag, 19. November 2017

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Exklusiv: Welthandelsindex China gibt wieder Gas - und zieht den Welthandel mit

Hafenangestellte im chinesischen Ningbo: Die Wirtschaft des Landes nimmt wieder Tempo auf

Getty Images

Einige Zeit sah es so aus, als würde die chinesische Wirtschaft in ihrem Wachstum nachlassen, mit den entsprechenden Folgen für die Weltwirtschaft: Eine Schwächephase im weltweit wichtigsten Schwellenland, mit dem inzwischen alle großen Volkswirtschaften eng vernetzt sind, bleibt beinahe nirgendwo auf dem Globus unbemerkt.

Umso besser, dass sich China nun zurückmeldet. "Die Konjunkturdynamik steigt in China", konstatiert Markus Zschaber, Vermögensverwalter aus Köln und Chef des dortigen Instituts für Kapitalmarktanalyse (IfK).

Der Welt-Handelsindex, den das IfK regelmäßig erstellt, bestätigt diese Aussage laut Zschaber. Und der Index zeigt, wie sich die zunehmende Dynamik in Fernost bereits positiv auf den globalen Güterverkehr auswirkt.

So ist der WHI nach Angaben des IfK zuletzt erneut um 4 Punkte auf 80,5 Punkte gestiegen (siehe Grafik). Grund dafür war nach Zschabers Angaben "eindeutig China".

       Der        Welt-Handelsindex        vom Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse ist zuletzt erneut gestiegen
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Der Welt-Handelsindex vom Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse ist zuletzt erneut gestiegen

"Was wir wahrnehmen, ist eine positive Nachfrageanpassung in China", sagt er. Grund dafür seien höhere Rohstoffpreise, die sich in ansteigenden Umschlagmengen sowohl auf der Straße wie auch auf der Schiene, auf Schiffen sowie in der Luft niederschlügen.

"Kupfer verteuerte sich jüngst auf 6400 Dollar je Tonne und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Jahren", so Zschaber. Auch mit den Preisen für Eisenerz und Stahl sei es enorm nach oben gegangen.

Zschabers Fazit ist daher eindeutig: "China übernimmt erneut die Lokomotivfunktion der Weltwirtschaft", sagt er.

Der Welt-Handelsindex ...
  • ... fasst alle relevanten Daten aus den vier Logistikwegen Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport zusammen und bietet ein Gesamtbild des Welthandels in einer Zahl.
    Je höher oder tiefer der Index steht, desto besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Bei Indexständen zwischen 55 und 0 Punkten schrumpft der Warenverkehr.
    Der Welt-Handelsindex wird vom Institut für Kapitalmarktanalyse, einer Tochter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber, herausgegeben und monatlich exklusiv auf manager magazin online veröffentlicht. Informationen zum Index gibt es auch unter www.kapitalmarktanalyse.com.

Die These wird auch von anderen aktuellen Daten aus der Konjunktur der Volksrepublik gestützt. So ist die chinesische Industrie einer privaten Umfrage zufolge im August so stark gewachsen wie seit sechs Monaten nicht mehr. Der am Freitag veröffentlichte Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex stieg zum Vormonat um 0,5 auf 51,6 Punkte. Vor allem das Exportgeschäft lief rund. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Dieser Einkaufsmanagerindex deckt vor allem kleinere und mittlere Betriebe ab. Das offizielle Barometer der Regierung, das bereits am Donnerstag veröffentlicht worden war, zielt dagegen eher auf größere Konzerne, oft in staatlicher Hand. Auch dort nahm das Wachstumstempo im August überraschend zu.

Insgesamt legte die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2017 um 6,9 Prozent zu, und damit stärker als von vielen Experten erwartet. Und das, obwohl die Regierung in Peking Risiken im Finanzsektor reduzieren will und den heiß gelaufenen Immobilienmarkt unter Kontrolle halten muss.

mit Material von Reuters

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