Dienstag, 11. Dezember 2018

Torschlusspanik vor Trumps Amtsantritt? Handel zwischen USA und China schießt in die Höhe 

Chinesischer Junge mit Flaggen Chinas und der USA: Der kommende US-Präsident will China das wirtschaftliche Leben schwer machen - und kurz vor seinem Amtsantritt zieht der Handel zwischen beiden Ländern noch einmal kräftig an.

Getty Images

Zu den immer wiederkehrenden Aussagen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump gehört die Ankündigung, die Wirtschaft der USA im weltweiten Wettbewerb stärken zu wollen, insbesondere gegen die immer stärker werdende Konkurrenz aus Fernost. Angesichts dieses offenbar bevorstehenden Protektionismus erscheint eine Entwicklung der vergangenen Wochen bemerkenswert: Offenbar haben die Handelsaktivitäten zwischen China und den Vereinigten Staaten gerade seit der Wahl Trumps enorm zugenommen.

Das geht aus dem Welt-Handelsindex (WHI) hervor, den das Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) in Köln monatlich aus einer Vielzahl von Handels- und Transport-relevanten Daten aus aller Welt errechnet, und der künftig regelmäßig exklusiv auf manager magazin online erscheinen wird (zu den Hintergründen des Welt-Handelsindex siehe das Interview mit den Machern Markus Zschaber und Björn Kising).

Der Welt-Handelsindex ...
  • ... fasst alle relevanten Daten aus den vier Logistikwegen Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport zusammen und bietet ein Gesamtbild des Welthandels in einer Zahl.
    Je höher oder tiefer der Index steht, desto besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Bei Indexständen zwischen 55 und 0 Punkten schrumpft der Warenverkehr.
    Der Welt-Handelsindex wird vom Institut für Kapitalmarktanalyse, einer Tochter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber, herausgegeben und monatlich exklusiv auf manager magazin online veröffentlicht. Informationen zum Index gibt es auch unter www.kapitalmarktanalyse.com.

Laut IfK hat der Güterverkehr zwischen den USA und China sowohl per Schiff als auch per Flugzeug im vierten Quartal 2016 deutlich zugelegt. Der WHI-Indikator für die Luftfracht zwischen beiden Ländern etwa stieg von etwa 87 Punkten im Oktober vergangenen Jahres auf mehr als 94 im Dezember. Mit dem Indikator für die Schifffahrt auf der gleichen Route ging es im gleichen Zeitraum von gut 81 auf beinahe 89 aufwärts.

"Wir sehen hier eine regelrechte Aufhellung des Handelsklimas zwischen den beiden Großmächten, paradoxerweise seit der Wahl von Donald Trump", sagt Markus Zschaber, Chef der Vermögensverwaltung VMZ in Köln, deren Firmentochter das IfK ist. "Das ist die stärkste wechselseitige Nachfrage zwischen den beiden Nationen nach Gütern und Dienstleistungen seit 2010."

Hintergrund, so Zschaber, ist einerseits eine robustere Konjunkturlage. Andererseits sei der Anstieg aber auch auf Vorzieheffekte aufgrund von Befürchtungen vor zukünftigen Handelsbarrieren und zunehmendem Protektionismus durch die neue US-Regierung zurückzuführen.

Wie das IfK weiter aufzeigt, decken sich die Daten des Instituts mit Beobachtungen beispielsweise von chinesischen Export- sowie Zulieferfirmen. "Hafenbetreiber melden uns gleiches", sagt zudem IfK-Geschäftsführer und Volkswirt Björn Kising. "Und mit Blick auf die jüngst veröffentlichten Außenhandelsdaten aus China wird der außergewöhnliche Trend ebenfalls bestätigt: Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China haben Sonderkonjunktur."

Exportplus bei Stahl und Unterhaltungselektronik

Tatsächlich gingen die chinesischen Ausfuhren beispielsweise in die EU, nach Japan sowie in die ASEAN-Staaten zuletzt merklich zurück. Die Exporte gen USA dagegen stiegen im Dezember 2016 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,1 Prozent. Dabei gibt es laut IfK die größten Exportzuwächse bei Stahl, Elektronikprodukten, Büromaschinenteilen, Telefonen, Rundfunk- und TV-Geräten sowie vor allem bei Computern.

Hintergrund der starken Entwicklung zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik ist eine anhaltende Belebung des Welthandels insgesamt. Der Welt-Handelsindex des IfK steht gegenwärtig bei 74,5 Punkten (siehe Grafik). Er ist damit in den vergangenen vier Wochen angestiegen und markiert nun das höchste Niveau seit 2007.

Der Welt-Handelsindex des IfK steht gegenwärtig bei 74,5 Punkten, dem höchsten Stand seit 2007

Auch künftig erwartet das IfK eine weiterhin positive Entwicklung. Wenn die großen negativen Überraschungen im Laufe des Jahres ausbleiben, sei ein Wachstum des Welthandels in 2017 von 3,5 Prozent möglich, so die Experten. Erstmals seit 2012 würde der globale Handel damit leicht oberhalb der gegenwärtigen Potenzialwachstumsrate von 3 Prozent zulegen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Auf die Handelsbeziehungen zwischen China und den USA dürfte sich das ebenfalls positiv auswirken. Allem Trommeln des künftigen US-Präsidenten zum Trotz erwartet das IfK zwischen beiden Ländern keinen echten Handelskrieg. "Einzelne Einfuhrzölle könnte es seitens der USA auf chinesische Waren geben", so Ökonom Kising. "Das würde wiederum China zu gleichen Maßnahmen in die andere Richtung veranlassen." Eine spiralförmige Eskalation stehe jedoch kaum bevor, so der Fachmann.

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