Montag, 18. März 2019

Welt-Handelsindex Die Konjunktur im "Big Picture" - auf manager-magazin.de

Containerhafen von Shenzhen in China: Am Welthandel lässt sich die Entwicklung der Weltwirtschaft ablesen

manager magazin online wird künftig regelmäßig über die Weltwirtschaft mithilfe des Welt-Handelsindex vom Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse berichten. Vermögensverwalter Markus C. Zschaber und sein Chefökonom Björn Kising erläutern ihren Index und seine Hintergründe.

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manager-magazin.de: Herr Zschaber, Herr Kising, Ihr Institut berechnet und publiziert den Welt-Handelsindex, der künftig regelmäßig auf manager magazin online veröffentlicht wird. Bitte erklären Sie unseren Lesern kurz, was es mit dem Index auf sich hat.

Markus C. Zschaber: Wir haben bereits vor über zehn Jahren begonnen, den Welt-Handelsindex zu entwickeln. Hintergrund war, dass sich in den vergangenen 15 Jahren die Weltwirtschaft in vielerlei Hinsicht signifikant verändert hat. Eine ganze Riege an systemischen Krisen beeinflusste das Marktgeschehen in der Real- und der Finanzwirtschaft. Und die Bedeutung des Welthandels und die daraus folgende Internationalisierung von Produktions- und Dienstleistungsstrukturen stieg von Jahr zu Jahr.

Björn Kising: Spätestens die Asienkrise 1997 und 1998, welche eine Finanz-, Währungs- und Wirtschaftskrise darstellte, zeigte die hohen Abhängigkeiten hinsichtlich konjunkturbedingtem Wachstum, Investitionen und Handelsaktivitäten weltweit auf. Viele vermeintliche Frühindikatoren versagten bereits damals. Exakt wie auch während der großen Weltwirtschaftskrise 2007 bis 2009 oder in der Eurokrise seit 2011/2012.

Zschaber: Für uns war daher klar: Wir mussten unsere eigenen "Fieberthermometer" konstruieren, wie zum Beispiel den Welt-Handelsindex. Dafür haben wir innerhalb der VMZ Vermögensverwaltung eigens das Institut für Kapitalmarktanalyse gegründet. Der Vorteil unserer Indizes ist, dass sie aufgrund des intelligenten Analyse- und Evaluationsprozesses möglichst keinen statistischen Schatten aufgrund von zeitlicher Verzögerung enthalten und gleichzeitig qualitative Aussagen zulassen über das hier und heute sowie über die Zukunft.

Markus C. Zschaber und Björn Kising
  • Copyright:
    Markus C. Zschaber (l.), Gründer und Chef der VMZ Vermögensverwaltung mit Sitz in Köln, und Björn Kising sind die Geschäftsführer des Kölner Instituts für Kapitalmarktanalyse. Die VMZ-Tochter gibt unter anderem den Welt-Handelsindex heraus, mit dessen Hilfe manager magazin online künftig regelmäßig über spannende Entwicklungen in der Weltwirtschaft berichten wird.

mm.de: Wie gehen Sie bei der Berechnung konkret vor?

Zschaber: Den Welt-Handelsindex muss man sich als ein quantitatives Modell vorstellen, welches alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen - Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport - zusammenfasst. Er erfasst damit die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, wie sie etwa bei regional ausgerichteten Indikatoren zu sehen sind.

Kising: Insgesamt greifen wir auf über 2000 Daten zurück. Daraus können regionale sowie auch funktionale Aussagen über den Status des Welthandels getroffen werden. Zum anderen bewertet das Modell durch einen hauseigen entwickelten Algorithmus das sogenannte makroökonomische Delta im Welthandel, sprich die Veränderung der Dynamik bei den jeweiligen Datenreihen.

Zschaber: So können wir letztlich Monat für Monat mittels des Welt-Handelsindex frühzyklische Veränderungen im Welthandel messen, was wiederum auch Aufschluss über die Verfassung der Weltkonjunktur liefert. Denn der Welthandel ist schließlich das Schwungrad der Weltwirtschaft.

mm.de: Wie sieht das dann am Ende praktisch aus?

Zschaber: Dargestellt wird der Welt-Handelsindex im übertragenen Sinne wie ein Ampelsystem, und je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Index also einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, ist die Ampel grün, sprich der Welthandel befindet sich im Expansionsmodus. Steht der Index dagegen zwischen 55 und 85 Punkten, so steht die Ampel auf gelb, wobei bei 70 Punkten der Welthandel sich in etwa auf seinem Potenzialwachstumstrend befindet. Zwischen 55 und 0 Punkten ist die Ampel rot, was bedeutet, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

mm.de: Welche Aussagen können auf Grundlage des Welt-Handelsindex getroffen werden?

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