Dienstag, 20. November 2018

Folgen von Lira-Absturz in Inflation Türkische Wirtschaft wächst langsamer

Es geht langsamer voran mit der türkischen Wirtschaft, das Wachstum liegt aber höher als in den meisten europäischen Staaten

Die türkische Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2 Prozentpunkte Wachstum gegenüber dem Vorjahr eingebüßt - dennoch steht im zweiten Jahresviertel ein Plus von 5,2 Prozent. Ökonomen erwarten wegen der Währungsturbulenzen, der hohen Inflation und politischen Probleme aber eine weitere Abkühlung der Konjunktur.

Die türkische Wirtschaft hat ihr Wachstum im zweiten Quartal angesichts der Währungskrise gedrosselt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen April und Juni nur noch um 5,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu, geht aus am Montag veröffentlichten hervor. Zu Jahresbeginn hatte das BIP es noch zu 7,3 Prozent gereicht.

"Die türkische Wirtschaft dürfte in den kommenden Quartalen angesichts der kräftigen Abwertung der Landeswährung Lira noch mehr Schwung verlieren", sagte Rabobank-Ökonom Piotr Matys voraus. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten für das Gesamtjahr 2018 deshalb nur noch ein Plus von 3,3 Prozent. Damit würde sich das Wachstum mehr als halbieren: 2017 expandierte das lange Zeit boomende Schwellenland noch um 7,4 Prozent.

Die Lira hat seit Jahresbeginn etwa 40 Prozent an Wert zum Dollar verloren. Dadurch werden Importe deutlich teurer. Die Inflationsrate kletterte dadurch im August auf 17,9 Prozent, was die Kaufkraft von Konsumenten drückt und die Kosten von Unternehmen nach oben treibt.


Türkei: Wahl zwischen Rezession und Kollaps


Ausgelöst wurde die Währungskrise unter anderem von der Sorge von Investoren über den wachsenden Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die Wirtschaft und seine Forderungen nach niedrigeren Zinsen trotz hoher Inflation.

Die türkische Zentralbank will in ihrer nächsten Sitzung am Mittwoch Maßnahmen gegen die hohe Inflation ergreifen. Ob die Notenbank die Leitzinsen erhöht, ist unklar. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist gegen eine Zinserhöhung. Entgegen der gängigen Wirtschaftslehre sieht Erdogan eine Zinserhöhung nicht als Instrument gegen Inflation, sondern als deren Treiber.

Zugleich belasten politische Spannungen mit dem Nato-Partner USA die Türkei, was sich in gegenseitigen Sanktionen niederschlägt.

Im Frühjahr dämpfte vor allem die Landwirtschaft das Wachstum. Sie schrumpfte um 1,5 Prozent. Die Industrie meldete dagegen ein Plus von 4,3 Prozent, die Baubranche von 0,8 Prozent und die Dienstleister von acht Prozent.

rei/Reuters

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