Montag, 23. Oktober 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Konjunktur So entsteht der mm-Indikator

Einkaufsstraße in Köln: Dienstleistungen werden in traditionellen Prognosen meist nicht angemessen berücksichtigt

Aktuell und ungefiltert - das ist das Versprechen des mm-Indikators. So früh wie möglich so verlässliche Angaben wie möglich über die Dynamik der deutschen Wirtschaft in einem Jahr zu treffen, ist unser Anspruch.

Im Gegensatz zu gängigen Konjunkturprognosen wird der Indikator ohne persönliche Annahmen der Konjunkturforscher einfach aufgrund der vorliegenden Daten erstellt. Die Experten von Kiel Economics stützen sich auf ein ökonometrisches Verfahren: Daten, die sich über drei Konjunkturzyklen (mindestens 30 Jahre) oder länger zurückverfolgen lassen, werden auf ihren statistischen Zusammenhang mit den endgültigen offiziellen Zahlen zur Gesamtwirtschaft hin untersucht. Der ermittelte Faktor wird dann auf die aktuellen Daten angewendet und so in eine Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts übersetzt - jeden Monat neu, jeweils zur Monatsmitte.

In den mm-Indikator gehen Daten ein, die Einschätzungen und Erwartungen erfassen - wohl gemerkt nicht die von Konjunkturprognostikern, sondern die der tatsächlich Handelnden. Diese kommen zum einen aus Befragungen von Unternehmen oder Verbrauchern, wie denen des Ifo-Instituts (Geschäftsklima), des Deutschen Industrie- und Handelstags oder der GfK (Konsumklima). Zum anderen sind sie in Finanzmarktindikatoren enthalten, etwa in den Zinsen und Renditen am deutschen Kapitalmarkt oder dem deutschen Beitrag zur Geldmenge im Euroraum.

Zentral ist, dass in diesen Erwartungen selbst alle Informationen, die für die weitere konjunkturelle Entwicklung relevant sind, zusammenfließen - und zwar gewichtet gemäß ihrer Bedeutung und zeitnah abrufbar. Viele Umfrageergebnisse liegen bereits am Ende eines Berichtsmonats vor, die meisten Finanzindikatoren sind sogar tagesaktuell verfügbar. Zudem hat dieser Ansatz den Vorteil, dass er die gesamte deutsche Wirtschaft, inklusive ihres großen Dienstleistungssektors, berücksichtigt. Im Vergleich zu gängigen Konjunkturprognosen ist der mm-Indikator deshalb weniger auf die Lage der Industrie fokussiert.

Auf die Nachkommastelle genau trifft auch der mm-Indikator die endgültige Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts eher selten - daher zeigen wir stets auch ein Intervall, innerhalb dessen die Rate mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln landen wird. Zu Beginn eines Jahres ist dieses Intervall konstruktionsbedingt recht breit. Der Indikator schwankt dann häufig noch spürbar. Im Jahresverlauf lässt sich das Ergebnis dann zunehmend besser vorhersagen, da immer mehr Daten eintreffen. Zum Ende des Jahres verändert sich der Indikator in der Regel kaum noch. Daher veröffentlichen wir im November bereits den mm-Indikator für das Folgejahr.

Die historische Erfahrung zeigt, dass der mm-Indikator frühzeitig ein verlässliches Bild der deutschen Konjunktur liefert. Selbst wenn er stärker danebenliegt wie im Krisenjahr 2009, als die deutsche Wirtschaftsleistung um 5,6 Prozent schrumpfte (der mm-Indikator zeigte zunächst minus 2,8 Prozent an), ist er deutlich treffsicherer als die oft subjektiv bereinigten Prognosen.


Direkt zum mm-Konjunkturindikator: Hier sehen Sie die Prognosen auf einen Blick


© manager magazin
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH