Montag, 19. November 2018

Zollstreit, Brexit, Autoindustrie Wirtschaftsweise blicken deutlich pessimistischer in die Zukunft

Auto-Exporte in Bremerhaven: Der Abgasskandal und die Umstellung auf den WLTP-Standard bremsen die Produktion deutscher Autobauer

Wegen des Brexit und der internationalen Handelskonflikte blicken die Wirtschaftsweisen pessimistischer auf die Konjunktur. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 1,6 Prozent und 2019 nur noch um 1,5 Prozent wachsen, erklärte der Sachverständigenrat am Mittwoch in seinem Gutachten für die Bundesregierung.

"Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich in einer der längsten Aufschwungphasen der Nachkriegszeit." Risiken seien allerdings der Zollstreit, ein ungeordneter EU-Austritt Großbritanniens oder ein Wiederaufflammen der Euro-Krise. "Aufgrund der Handelskonflikte, Produktionsproblemen in der Automobilwirtschaft und zunehmenden Kapazitätsengpässen ist mit einer Abschwächung des Wachstums zu rechnen", erklärte die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel.

Bislang hatten die fünf Ökonomen ein Plus von 2,3 und 1,8 Prozent für dieses beziehungsweise nächstes Jahr veranschlagt. Mit ihrer gesenkten Prognose sind sie nun sogar pessimistischer als die Bundesregierung, die für beide Jahre 1,8 Prozent vorhersagt. "Die deutsche Volkswirtschaft steht vor großen Herausforderungen", so die Wirtschaftsweisen. Auf internationaler Ebene sei dies vor allem die "ungewisse Zukunft der multilateralen globalen Wirtschaftsordnung" und auf nationaler Ebene die Alterung der Gesellschaft.

Wegen der aggressiven Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump sollte die EU protektionistischen Tendenzen entgegentreten. Die Ökonomen erklärten aber auch: "Die EU sollte innerhalb der Regeln der Welthandelsorganisation Vergeltungsmaßnahmen in Betracht ziehen, um Regelverletzungen glaubwürdig zu bestrafen." Die Situation sei jedoch bislang nicht mit einem Handelskrieg wie in den 1920er- und 1930er-Jahren zu vergleichen.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde 1963 eingerichtet, um die Politik zu beraten. Vorsitzender ist der Ökonom Christoph Schmidt. Dem Gremium gehören außerdem Schnabel, Peter Bofinger, Lars Feld und Volker Wieland an.

mg/rtr

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