Dienstag, 24. Oktober 2017

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Deutschlands Reaktion auf Donald Trump Wir brauchen ein eigenes Silicon Valley. Jetzt!

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Wundersame Dinge ereignen in sich in den USA. Die einen würden Wendehals-Mentalität dazu sagen, die anderen nennen es unternehmerischen Pragmatismus. Ob Tesla-Chef Elon Musk oder Großinvestor Peter Thiel: In der amerikanischen High-Tech-Industrie beginnt eine Liaison mit der Trump Administration. Keine romantische. Eher ein Zweckbündnis.

Schon vor der Amtseinführung Donald Trumps berichtete Kara Swisher, Gründerin des Tech-Portals Recode, wie sich die großen Technologieunternehmen an das Trump-Lager heranrobbten.

Auch wenn aktuell der Streit um die Einwanderung eskaliert, auch wenn Uber-Chef Travis Kalanick Trumps Wirtschaftsrat verlässt und Unternehmenschefs im Silicon Valley einen offenen Brief an den Präsidenten erwägen - über kurz oder lang werden sich Unternehmen im Silicon Valley mit dem Ungeliebten arrangieren. Und das verheißt nichts Gutes für die deutsche Wirtschaft. Schon verliert der erste deutsche Tesla-Zulieferer seine Aufträge. Offiziell natürlich nicht aus Opportunismus, sondern wegen angeblicher Liefer- und Qualitätsprobleme.

Jens-Uwe Meyer
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    Dr. Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innolytics GmbH. Mit neun Büchern (u.a. "Radikale Innovation", "Digitale Disruption") und mehr als 100 Fachartikeln ist er einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum. Er berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
  • www.jens-uwe-meyer.de

Das sollte uns auf mehreren Ebenen zu denken geben. Die Wirtschaft ist mitten in der Phase der digitalen Disruption, die ich in meinem aktuellen Buch detailliert beschreibe. Genau hier sind Deutschland und die USA Partner und erbitterte Gegner zugleich. Beispiel: die Entwicklung des Elektroautos. Während deutsche Manager ins Silicon Valley pilgern, ist es bei Apple-Chef Tim Cook genau anders herum. Er besichtigte BMW in Leipzig. Doch wie weit werden Kooperationen künftig gehen, wenn sich die US-Manager Trumps Dekret "America first" beugen? Wenn aus politischer Opportunität amerikanische Entwicklungspartner bevorzugt werden? Und wenn der Zugang zu wichtigem Know-how für deutsche Unternehmen erschwert wird?

Trump als Motivator betrachten

Es gibt zwei Arten, Menschen zu Veränderungen zu motivieren. The carrot and the stick. Die Trumps Politik sollte für Deutschland "the big stick" sein. Ein Motivationstritt für uns, endlich die Digitalisierung zum wichtigsten Thema unserer Wirtschaft zu machen. Nach wie vor haben es Unternehmensgründer und -gründerinnen nicht leicht. Es fehlt, so eine gerade veröffentlichte Studie der HHL Leipzig Graduate School of Mangement an Begeisterung für innovatives Unternehmertum. In der Gesellschaft, an der Spitze von Unternehmen und in der Politik.

Wir registrieren interessiert, dass um uns herum digitale Newcomer Erfolge feiern, doch die Türen zu den Vorstandsetagen müssen sie fast schon mit Gewalt einschlagen. Ich erinnere mich an den Vortrag eines inzwischen erfolgreichen Unternehmensgründers der Energiebranche, der für das anwesende Topmanagement der Konzerne nur eine Botschaft hatte: "Wenn das nächste Mal jemand mit einer Idee vor Ihrer Tür steht, bitte nicht gleich zuschlagen. Erst zuhören."

Dabei haben wir alles, um den German Way of Digitalization zu beschreiten. Und Deutschland zu so etwas Ähnlichem wie dem Silicon Valley zu machen. Bewusst: Zu etwas Ähnlichem. Besser noch: Zu einem funktionierenden Gegenmodell.

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