Montag, 26. Juni 2017

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Deutschlands Reaktion auf Donald Trump Wir brauchen ein eigenes Silicon Valley. Jetzt!

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2. Teil: Bloß nicht das Silicon Valley kopieren

Die Geschäftsmodelle der großen Silicon-Valley-Konzerne funktionieren nach dem Prinzip des Big Business: Risikokapital in ein Unternehmen hineinpumpen, auf dass es morgen die Marktführerschaft auf der gesamten Welt übernimmt. Dieses Modell hat mehr mit Börsenspekulation und Zockerei als mit Unternehmertum zu tun. Deutschland lebt von seinem Mittelstand. Das macht uns stark. Der deutsche Weg kann daher nur der Aufbau eines digitalen Mittelstands sein.

Wir brauchen digitale Unternehmer, deren Visionen es nicht ist, in drei Jahren einen Millionen-Exit hinzulegen, sondern die ein langfristiges solides Wachstum anstreben. Und die dieses Wachstum über reelle Gewinne finanzieren. Unternehmer also, bei denen Risikokapitalgeber im Silicon Valley sagen: Gähn! Langweilig!

US-Risikokapitalgeber hätten in 90 Prozent des deutschen Mittelstands nicht investiert. Mit genau der gleichen Argumentation: zu unspannend, zu langweilig. Genau diese "langweiligen" Unternehmen sind heute das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Dieses Erfolgsmodell gilt es, ins digitale Zeitalter zu übertragen.

Digitale Weltspitze in der Provinz

Die Förderung digitaler Unternehmen und die Unterstützung mittelständischer Firmen bei der Digitalisierung muss oberste Priorität der deutschen Politik werden. Gerade in der Peripherie. Nicht nur in Berlin, München, Hamburg und Düsseldorf. Sondern auch in Kaiserslautern, Kassel, Leipzig, Cottbus oder Hechingen. Hechingen? Wo liegt Hechingen? Fragen Sie Dorothea Bachmann, die Bürgermeisterin der württembergischen Provinzstadt, die sich engagiert für das Medical Valley einsetzt. "An kaum einem Standort in Deutschland findet man so viel Kompetenz wie in der Medizintechnik-Region Hechingen", schreibt das Netzwerk über sich selbst.

Das Beispiel zeigt, wie die Politik ein deutsches Silicon Valley fördern kann. Indem sich die Wirtschaftspolitik aktiv für die Vernetzung von digitalen und analogen Unternehmen einsetzt. Digitale Unternehmen brauchen - gerade in der Startphase - nicht nur Risikokapital. Sie brauchen Fürsprecher, Türöffner, Pilotprojekte und Kunden, die mutig genug sind, mit ihnen Neues auszuprobieren.

Spreche ich mit Verantwortlichen, höre ich häufig: "Wir tun doch schon etwas." Das ist richtig. Kaum eine Landesregierung, die sich auf ihrer Homepage nicht diesem Ziel verschrieben hat. Doch es ist nur eines von vielen Zielen. Digitalisierung muss oberste Priorität haben. Leipzig als weltweit führender Entwicklungsstandort für digitale Logistik - das wäre prima. DHL und Amazon sind bereits da, nur eine ausgeprägte digitale Start-up-Szene rund um das Thema Logistik fehlt.

Und warum sollte Vechta nicht in die Geschichte der Landwirtschaft eingehen? Als weltweit führender Entwicklungsstandort für die Digitalisierung von Schweineställen. Oder Garmisch als international anerkanntes Testgebiet für Entwicklungen der digitalen Bergrettung. Das muss das Ziel sein. Leipzig, Vechta, Garmisch - digitale Weltspitze in der Nische. Mittelständisch geprägt und dezentral, vorangetrieben durch Gründer und mittelständische Unternehmer. Echte Umsätze und echte Gewinne statt fiktiver Milliardenbewertungen. Digitale Hidden Champions in jeder Kleinstadt. Und das Wichtigste: Begeisterung. German Spirit. Wir sind besser als wir denken. Zeit, dass wir uns dessen bewusst werden. Thank you, Donald!

Jens-Uwe Meyer ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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