Dienstag, 13. November 2018

Müllers Memo Europa droht ein Währungskrieg

EZB-Chef Draghi: "Anleger könnten weniger auf Euro lautende Titel halten"

Mario Draghis EZB schickt sich an, in großem Stil Anleihen vom Markt zu kaufen. Das Ziel: den Euro gegenüber anderen Währungen zu schwächen. Doch die Risiken sind beträchtlich - und Gegenreaktionen dürften folgen.

Notenbanker reden gern in Grautönen: bloß niemanden aufregen, nicht zuviel verraten, möglichst viele Optionen offenhalten. So war es auch kürzlich, als EZB-Chef Mario Draghi sich zum künftigen Kurs der Notenbank äußerte. Unter Satzungetümen und technisch klingendem Euro-Sprech verborgen fand sich jedoch eine brisante Botschaft: Die EZB will den Außenwert des Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen deutlich schwächen. Das scheint der eigentliche Zweck des angepeilten Ankaufs von Staatsanleihen ("Quantative Easing") zu sein. Die Vorbereitungen zu diesem Programm laufen. Ob und wann es in Kraft gesetzt wird, dürfte bei der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag Thema sein.

Man kann es auch so sehen: Die EZB steigt in ein monetäres Aufrüstungsprogramm ein. Eine gefährliche Strategie, die anderswo auf der Welt als unfreundlicher Akt angesehen werden dürfte - und entsprechende Gegenreaktionen gerade seitens der USA hervorrufen wird. Das böse Szenario eines Währungskriegs rückt näher.

Tatsächlich schickt sich die Euro-Zone an, ihre hausgemachten Probleme zu exportieren. Immer noch sind die privaten und staatliche Schulden in vielen Mitgliedstaaten untragbar hoch, was die wirtschaftliche Dynamik erdrosselt. Immer noch zieren sich insbesondere Frankreich und Italien, durchgreifende Strukturreformen durchzuziehen. Immer noch wird viel zu wenig investiert. Die Folgen: Teile des Euro-Raums verlieren immer weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Die industrielle Basis gerade in Frankreich wird immer weiter ausgezehrt. Die nächste Rezession droht, womöglich gar Deflation. Das einzige, was wächst, ist der Pessimismus.

Nun soll die EZB helfen. Eine Abwertung des Euro soll die real existierenden Schwächen kompensieren und satte außenwirtschaftliche Überschüsse produzieren.

Anders jedenfalls ist kaum zu verstehen, warum die EZB überhaupt ein Quantative-Easing-Programm erwägt. Als die amerikanische Fed und die Bank von England auf dem Höhepunkt der Finanzkrise ihre Aufkaufprogramme starteten, ging es ihnen darum, die langfristigen Zinsen zu drücken und damit die Investitionen anzukurbeln. Im Euro-Raum sind die Zinsen aber bereits extrem niedrig. Investiert wird trotzdem kaum - weil Unternehmen und Privatbürger bereits hoch verschuldet sind und weil viele Milliarden an faulen Krediten die Bankbilanzen belasten.

Was also kann die EZB überhaupt tun? Sie kann Euro-Staatsanleihen aufkaufen und so zusätzliche flüssige Mittel in den Markt drücken. Diese Gelder werden Anleger wiederum nutzen, um allerlei Vermögenswerte zu erwerben und deren Kurse nach oben zu treiben, insbesondere auch Papiere in anderen Währungen, wie Draghi ausführte.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH