Sonntag, 20. Mai 2018

Einstieg in die Zinswende Schaffen die Notenbanken die friedliche Wende?

Schön: Sonnenaufgang in der Nähe von Jackson Hole, wo sich jährlich die Notenbanker der Welt beraten.

Es ist ein bisschen wie bei einer ausschweifenden Party. Noch dröhnt die Musik laut, die Tanzfläche ist voll. Doch allmählich wird es spät. Der eine oder andere schaut verstohlen auf die Uhr. Noch ist das Fest nicht zu Ende, aber die ersten Gäste gehen.

So ähnlich ist Lage derzeit an den Finanzmärkten. Drei Jahrzehnte lang ging es im Trend nur nach oben. Vor allem Anleihen wurden immer teurer, während die Zinsen sanken. Als Masters of Ceremony agierten die Notenbanken. Sie sorgten für Stimmung, mit immer neuen Nummern hielten sie die Party im Gange.

Inzwischen jedoch macht sich Nervosität breit. Die ersten Gäste schielen nach dem Ausgang. Vorletzte Woche sorgte Bill Gross, einst oberster Stratege des Investmenthauses Pimco - und als "König der Anleihen" bewundert - für Aufsehen, als er vom Ende des langen Booms raunte. Drei Jahrzehnte Aufwärtstrend, doch nun beginne eine neue Zeitrechnung. Gross' Einlassungen trafen auf flattrige Börsen: Kurse zuckten, die US-Zinsen schnellten hektisch nach oben, wenn auch auf immer noch niedrigem Niveau.

Denn Anleger und Spekulanten fragen sich, wie entschlossen die Notenbanken die überschäumende Stimmung dämpfen werden - wie schnell, um im Bild zu bleiben, sie die Lautstärke herunterfahren werden.

Die Masters of Ceremony beginnen, Rausschmeißer-Musik zu spielen

Es gibt wenig Zweifel daran, dass die Zinsen steigen werden. Offen ist jedoch, wann, wie schnell und wie stark dies geschehen wird.

Die Risiken, die von dieser Wende ausgehen, sind enorm. Sollte die Party an den Börsen abrupt zu Ende gehen, würden fallende Anleihekurse vielen in der Wirtschaft enorm zu schaffen machen: Für Banken beispielsweise würde es teurer, sich zu refinanzieren, was die Kreditvergabe an Unternehmen und Privatbürger erschweren würde. Versicherungen müssten große Summen in ihren Portfolios abschreiben. Hochverschuldete Staaten (wie Italien, Griechenland oder Portugal) müssten wohl ein weiteres Mal ihre Budgets zusammenkürzen.

Noch dominiert die Hoffnung auf einen ganz sachten, flachen Zinsanstieg, ohne große Verwerfungen. Aber sicher ist das längst nicht.

Als beruhigendes Zeichen gilt die Berufung des neuen US-Notenbankchefs Jerome Powell, der bislang an der Seite von Vorgängerin Janet Yellen agiert hat. Die Federal Reserve scheint auf berechenbarem Kurs: Die Fed trennt sich, einem festen Programm folgend, von Wertpapieren und wird wohl dieses Jahr die Leitzinsen in mehreren Trippelschritten um insgesamt 0,5 bis 1 Prozentpunkte anheben.

Nun richten sich die Augen auf Europa. Die Bank of England hat die Zinsen bereits angehoben. Was macht die EZB als nächstes?

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