Donnerstag, 19. Juli 2018

Müllers Memo Investieren wir in Einwanderung!

Spanischer Klempner-Azubi in Hamburg: Zuwanderer offen empfangen

Die Bundesregierung sorgt sich wegen der schwachen Konjunktur und streitet über die richtigen Maßnahmen. Dabei liegt das beste Wachstumsprogramm so nahe: Die aktuelle Einwanderungswelle bietet eine Jahrhundertchance.

Zunächst das Negative: Kaum ein Land auf der Welt altert so schnell wie die Bundesrepublik. In den 2020er Jahren - also bereits im nächsten Jahrzehnt - wird sich die Alterszusammensetzung der Bevölkerung radikal verschieben. Die demographische Wende, die bislang schleichend und kaum spürbar abläuft, droht dann zur demographischen Krise zu werden.

Die Zahlen sind erschreckend: Heute müssen 100 Deutsche im arbeitsfähigen Alter 50 Alte und Kinder vorsorgen. Bis 2030 wird sich dieses Verhältnis auf 100 zu 70 verschlechtern, wie die Bevölkerungsvorhersage der Vereinten Nationen zeigt. Eine dramatische Veränderung binnen anderthalb Jahrzehnten. Nur Japans demographische Zukunft stellt sich noch düsterer dar.

Diese Prognosen sollten uns aufschrecken. Denn bereits heute schmälern sie unseren Wohlstand. Und sie sind eine der Ursachen der derzeit heraufziehenden Konjunkturkrise, die auch den EU-Gipfel ab Donnerstag dominieren wird.

Die Unternehmen investieren zu wenig in Deutschland, seit Jahren schon. Warum? Sicher, Energie ist absurd teuer. Die Euro-Krise ersteht gerade wieder auf wie ein Zombie aus der feuchten Erde. Noch abschreckender aber sind die trüben demographischen Perspektiven. Anders lässt sich kaum erklären, warum hierzulande die Produktion nicht stärker ausgeweitet wird - obwohl die Bundesrepublik doch so gnadenlos wettbewerbsfähig ist, wie unsere hohen Exportüberschüsse und diverse Standortrankings belegen.

Demographie kontra Ökonomie: Wer unternehmerisch investiert, der tut das mit langem Zeithorizont - die Zukunftsaussichten für die nächsten Jahrzehnte sind wichtiger als die Gegenwart. Und eine alternde Gesellschaft ist nun mal kein attraktives Umfeld, weder als Absatzmarkt noch als Produktionsstandort. Unternehmer binden sich nur ungern an das Schicksal einer notorischen Schrumpfnation.

Daran werden all die Maßnahmen nichts ändern, die derzeit gegen den Konjunkturabschwung in der Diskussion sind: schuldenfinanzierte staatliche Ausgabenprogramme, schrankenloses Gelddrucken durch die EZB, Steuererleichterung. Das größte Investitionshindernis bleibt.

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