Montag, 10. Dezember 2018

Deutscher Aufschwung unterbrochen Wirtschaft schrumpft erstmals seit 2015

Wegen WLTP nicht zugelassene Volkswagen-Autos am Berliner Flughafen BER

Die deutsche Wirtschaft ist in den Sommermonaten erstmals seit mehr als drei Jahren wieder geschrumpft. Belastet von schwächelnden Exporten und sinkenden Konsumausgaben der Verbraucher verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung in Wiesbaden mitteilte. Volkswirte hatten für die Monaten Juli bis September im Mittel mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gerechnet, aber nur um 0,1 Prozent.

Im dritten Quartal gab es den ersten Rückgang der Wirtschaftsleistung seit Anfang 2015. Der zuvor kräftige Aufschwung wurde damit vorerst unterbrochen. Im zweiten Quartal war die größte europäische Volkswirtschaft noch um 0,5 Prozent und im Auftaktquartal um 0,4 Prozent im Quartalsvergleich gewachsen.

WLTP macht Probleme

Schrammen hinterließen von Juli bis September Ökonomen zufolge auch die Schwierigkeiten in der Autoindustrie wegen der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP. Weil nicht alle Auto-Modelle rechtzeitig eine Genehmigung für eine Neuzulassung hatten, mussten Hersteller die Produktion drosseln. "Die damit verbundenen zeitweisen Produktionsausfälle hinterließen tiefe Bremsspuren bei der industriellen Erzeugung", erläuterten Bundesbank-Ökonomen im jüngsten Monatsbericht.

Der Privatkonsum fiel als Wachstumstreiber aus. Die Verbraucher konsumierten weniger als im Vorquartal. Die historisch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und Lohnzuwächse hatten in der Vergangenheit für Kauflaune der Verbraucher in Europas größter Volkswirtschaft gesorgt und die Konjunktur angetrieben.

Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge leicht zu. Die Unternehmen investierten etwas mehr in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen als im zweiten Quartal.

Aus Sicht von Ökonomen dürfte das weitere Wirtschaftswachstum an Stärke verlieren. Volkswirte, internationale Organisationen sowie die Bundesregierung hatten zuletzt ihre Konjunkturprognosen gesenkt.

So rechnen beispielsweise die "Wirtschaftsweisen" inzwischen für dieses Jahr mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent und für 2019 von 1,5 Prozent. Etwas optimistischer ist die Bundesregierung. Sie ging zuletzt von einem Plus von jeweils 1,8 Prozent aus. Im vergangenen Jahr hatte die deutsche Wirtschaft noch kräftig um 2,2 Prozent zugelegt.

luk/dpa

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