Freitag, 14. Dezember 2018

Japan Warum Abenomics scheitert - und was es für uns bedeutet

Die deutliche Abwertung des Yen hat Exporte gestärkt und zu einem Kursfeuerwerk am japanischen Aktienmarkt geführt

Japan feiert seine Konjunkturpolitik, die Aktienkurse springen in die Höhe. Doch der Erfolg ist flüchtig - und ein Vorbild für Europa sind die Abenomics auf keinen Fall.

Der japanische Aktienmarkt feiert. Trotz der enttäuschenden Konjunkturzahlen geht es wieder aufwärts - allein am Dienstag legte der Nikkei um mehr als 3 Prozent zu. Der Grund ist einfach: Die japanische Notenbank hat versichert, noch aggressiver auf das Gaspedal zu drücken. Und wie wir wissen, kann dann ja nichts mehr schiefgehen. Immer mehr Geld kann doch nur zu Konjunkturaufschwung, allgemeinen Wohlstand und Lösung aller Schuldenprobleme führen.

Abgesehen davon, dass es berechtigte Gründe gibt, die Wirksamkeit der Geldpolitik in Zeiten der allgemeinen Überschuldung in Frage zu stellen (wie letzte Woche hier erläutert ), gibt es auch gute Gründe, an der Wirksamkeit von Abenomics allgemein zu zweifeln.

Was Abenomics erreichen will

Abenomics ist der radikale Versuch der japanischen Regierung, die Wirtschaft aus der jahrzehntelangen Lethargie zu reißen, die Deflation zu überwinden und letztlich einen Staatsbankrott abzuwenden (mehr dazu hier).

Die Strategie basiert auf drei Säulen:

  • viel Geld drucken (relativ zur Größe der Volkswirtschaft rund ein Drittel mehr als die nicht gerade knausrige Fed), um dadurch die Inflation über 2% zu bekommen.
  • "flexibel" weiter Defizite machen (zur Zeit ca. 10% vom BIP Staatsdefizit).
  • mit Reformen das Wachstumspotential stärken. Zum Beispiel durch eine höhere Erwerbsquote von Frauen.

Der "Economist" war so begeistert von dem Politikwechsel, dass er den japanischen Ministerpräsidenten und Namensgeber des Programms Abe in einem Supermannkostüm auf dem Titel zeigte.

Bis jetzt kann die Politik durchaus einige Erfolge vorweisen: die deutliche Abwertung des Yen hat Exporte gestärkt und zu einem Kursfeuerwerk am japanischen Aktienmarkt geführt. Auch die Inflation ist durch teurere Importe leicht gestiegen.

Wird es funktionieren?

Bleibt die offene Frage: Wird Abenomics tatsächlich die Wende für Japan bringen? Der Kernhebel von Abenomics ist die Steigerung des Außenhandelsüberschusses: Japan will sich quasi aus der Krise "heraus exportieren". Dies geschieht auf zwei Wegen. Zum einen wird die japanische Wirtschaft dank einer schwachen Währung international deutlich wettbewerbsfähiger und gerade die deutsche Industrie wird dies noch deutlicher zu spüren bekommen. Zum anderen führt die Abwertung des Yen zu höheren Importpreisen. Diese wirken wie eine Konsumsteuer. Die Privathaushalte fragen weniger nach. Gesamtwirtschaftlich gesehen sinkt die Konsumquote und die Ersparnisse nehmen zu. Wenn nicht mehr investiert wird, fließen diese Ersparnisse als Kapitalanlage ins Ausland und drücken den Yen zusätzlich. Ein Mechanismus der ständigen Abwertung.

Dieses Zusatzangebot an Gütern trifft aber auf keine Zusatznachfrage in der Welt, weil verschuldete Länder sich nicht weiter verschulden wollen oder können. Damit wächst das Risiko, dass andere Staaten mit ähnlichen Maßnahmen auf die Politik Japans reagieren und wir einen Abwertungswettlauf erleben. Das zeigt sich auch an der zunehmenden Kritik an den deutschen Exportüberschüssen. Gerade China wird angesichts der sich zuspitzenden Probleme im Finanzsektor wieder verstärkt auf Exporte setzen.

Damit sich diese Gegenreaktion nicht zu einer Überreaktion auswächst, müsste ein wesentliche Komponente von Abenomics eine Stärkung der Binnennachfrage auf anderem Wege sein: Über Investitionen der Unternehmen, die ja schließlich mehr verdienen. Eine zunehmende Kreditnachfrage von Unternehmen für Investitionen ist aber leider nicht Teil der Abenomics. Doch die Unternehmen fragen nicht mehr Kredite nach, wie das Wall Street Journalschon vor einiger Zeit berichtete.

Die einseitige Orientierung am Export aber wiederum kann nicht nachhaltig funktionieren und wird im Zweifel einen Abwertungswettlauf auslösen. Sollte das Nominalwachstum anspringen, müsste die Notenbank angesichts der Rekordschulden des Staates die Zinsen weiter tief halten. Schon ein geringer Zinsanstieg würde zur Zahlungsunfähigkeit führen. Damit käme es zur - sicherlich gewünschten - financial repression, also der schleichenden Enteignung der Sparer zugunsten des Staates. Empirisch weiß man jedoch, dass dies wiederum zu einer höheren Sparquote und damit - bei gegebenen Investitionsniveau - zu noch höheren Handelsüberschüssen führen wird. In der heutigen Welt unwahrscheinlich, dass andere Länder dies akzeptieren.

Hinter der japanischen Misere steht eine Kombination aus verschleppter Überschuldungskrise und schrumpfender Bevölkerung. Bis heute hat Japan nicht die Folgen der Blase aus den 1980er Jahren bereinigt. Statt die untragbaren Schulden abzubauen, wurden sie vom Privatsektor auf den Staat übertragen. Abenomics ist der verzweifelte Versuch, diese untragbare Schuldendynamik zu durchbrechen. Doch in einer Welt, in der alle wesentlichen Wirtschaftsregionen vor ähnlichen Problemen stehen, wird dies nicht funktionieren. Japan wird nicht darum herumkommen, das Schuldenproblem offen zu lösen.

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