Donnerstag, 18. Oktober 2018

ifo-Geschäftsklimaindex Stimmung in deutschen Firmen sinkt fünften Monat in Folge

Maschinenbau: "Die Hochstimmung verfliegt"

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im April den fünften Monat in Folge eingetrübt. Das Geschäftsklima fiel um 1,2 Punkte auf 102,1 Zähler, wie das Ifo-Institut am Dienstag in München mitteilte. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang erwartet, aber nur auf 102,8 Punkte. Nach dem wiederholten Dämpfer beim wichtigsten deutschen Konjunkturbarometer erwarten Analysten ein Abflauen des zuletzt starken Aufschwungs.

Trotz des erneuten Rücksetzers im April bleibt das Ifo-Geschäftsklima weiter auf einem vergleichsweise hohem Niveau. Im vergangenen November hatte Deutschlands bedeutendster konjunktureller Frühindikator auf einem Rekordstand gelegen. Allerdings zeigt die aktuelle Umfrage unter etwa 7000 Unternehmen nach Einschätzung des Ifo-Chefs Clemens Fuest: "Die deutsche Wirtschaft nimmt Tempo raus."

Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen an die künftigen Geschäfte wurden von den befragten Unternehmen schwächer eingeschätzt als im Vormonat. In dem Bereich Dienstleistungen erkannte das Ifo-Institut einen "merklichen" Rückgang, wobei vor allem die Erwartungen weniger optimistisch als zuvor eingeschätzt werden. "Die Hochstimmung in den deutschen Chefetagen verfliegt", kommentierte Ifo-Chef Fuest weiter.

"Die Hochstimmung in deutschen Chefetagen verfliegt"

Der Chefvolkswirt der Bank ING-Diba, Carsten Brzeski, erkannte in den Ifo-Daten eine "weitere kalte Dusche". Trotz des erneuten Dämpfers sieht der Experten die deutsche Wirtschaft aber nicht auf dem Weg hin zu einem konjunkturellen Abschwung. Er sprach vielmehr von einer Konsolidierung nach einem zuletzt außergewöhnlich starken Aufschwung.

Wegen einer Überarbeitung des Ifo-Geschäftsklimas weichen die aktuellen Werte stark von den Kennzahlen ab, die in den Monaten zuvor gemeldet worden waren. Nach der alten Berechnungsmethode hatte der Indexwert für März beispielsweise noch deutlich höher bei 114,7 Punkten gelegen.

Das Ifo-Institut hat unter anderem das Basisjahr der Erhebung von 2005 auf 2015 verändert. Außerdem wurde der Dienstleistungssektor in den Gesamtindex integriert, der zuletzt in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Laut Fachleuten führen die Änderungen dazu, dass der Indikator künftig weniger stark schwanken wird.

Das Ifo-Geschäftsklima weist einen recht hohen Gleichlauf mit der tatsächlichen Wirtschaftsleistung auf und wird daher am Finanzmarkt stark beachtet. Der erneute Rückgang des Ifo-Geschäftsklimas sorgte aber nicht für stärkere Bewegungen am Devisenmarkt. Der Kurs des Euro hielt sich in der Nähe der Marke von 1,22 US-Dollar.

la/dpa/reuters

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