Sonntag, 4. Dezember 2016

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EZB und deutsche Finanzpolitik Der Irrsinn der Doppel-Null

Nullzins der EZB, schwarze Null im deutschen Haushalt: Die Doppel-Null lässt Sparer im Stich - und führt auf gefährliches Terrain

Die EZB drückt den Leitzins in Europa auf Null, die Bundesregierung hält am Ziel der "schwarzen Null" im Haushalt fest. Der Preis dieser falschen Politik wird hoch sein - vor allem für die deutschen Sparer.

Dass die Politik der Europäischen Zentralbank schon lange nicht mehr der Realwirtschaft dient, sondern nur der Konkursverschleppung auf europäischer Ebene, habe ich an dieser Stelle schon mehrfach erläutert. Insofern hat die gestrige Entscheidung der EZB nur erneut gezeigt, auf welches Szenario wir zulaufen: direkte Staatsfinanzierung und Monetarisierung. Davor immer negativere Zinsen verbunden mit Kapitalverkehrsbeschränkungen und Bargeldverbot. Zeit, dass wir uns als Investoren, aber auch als Land darauf einstellen.

Doch beides tun wir nicht. Statt dessen betont die Bundesregierung weiter,dass die "schwarze Null" im Staatshaushalt nicht in Frage steht. Dabei ist das Festhalten an der "schwarzen Null" genauso wie die Euro- "Rettungs"-Politik und die Selbstberauschung am Titel des Exportweltmeisters ein weiteres Zeichen der massiven Wohlstandsvernichtung der deutschen Wirtschaftspolitik. Spätestens seit den gestrigen Beschlüssen der EZB ist klar, dass die Sparer die Dummen sind.

Natürlich ist Sparen eine Tugend. Es genügt jedoch nicht zu sparen, die Ersparnisse müssen auch vernünftig angelegt werden. Die deutschen Bürger sind gute Sparer und schlechter Anleger, wie die jüngsten Zahlen belegen. Zwar sparen wir mehr als unsere europäischen Nachbarn, dennoch sind wir deutlich ärmer als der Durchschnitt der Bürger in der Eurozone.

Daniel Stelter
Dahinter stehen natürlich die Folgen von zwei verlorenen Weltkriegen aber mindestens ebenso die schlechte Anlage unserer Ersparnisse. Sparbuch, Staatsanleihen und Lebensversicherungen sind eine Garantie für maue Renditen. Unsere europäischen Nachbarn haben einen weitaus größeren Anteil ihrer Ersparnisse in Immobilien angelegt und auch das Finanzvermögen liegt in der Eurozone, bezogen auf das verfügbare Einkommen nur in der Slowakei, Slowenien und Griechenland unter dem hiesigen Niveau.

Erfolge, die keine sind

Es kommt also offensichtlich darauf an, wie man seine Ersparnisse anlegt. Zur Zeit erinnert das deutsche Sparverhalten eher an das Eichhörnchen, welches zwar fleißig vorsorgt, aber vergisst, wo es die Ersparnisse versteckt hat.

Doch es ist nicht nur diese individuelle Fehlleistung der Bundesbürger die dazu führt, dass Ersparnisse nichts bringen. Es ist die fehlgeleitete Wirtschaftspolitik, die zudem Medial so gefeiert wird, dass wir uns an unseren Erfolgen berauschen ohne zu realisieren, dass es keine sind.

Denn was für jeden Bürger gilt, gilt auch für die ganze Volkswirtschaft. Um das zu erklären, nehmen wir einmal an, es gäbe keinen Außenhandel. In diesem Fall besteht die Volkswirtschaft aus den privaten Haushalten, den Unternehmen und dem Staat. Jeder dieser Sektoren kann sparen oder Schulden machen bzw. Eigenkapital erhöhen.

Die Summe der Finanzierungssalden der drei Sektoren ist per Definition Null. Sparen die privaten Haushalte, was normalerweise der Fall ist, haben die Unternehmen üblicherweise ein Defizit, weil sie investieren und dabei auf die Finanzierung durch die privaten Ersparnisse angewiesen sind. Das was die Unternehmen nicht brauchen, leiht sich dann der Staat.

Sparen die Haushalte mehr als Unternehmen und Staat sich leihen wollen, kommt es zu einer Rezession und die Angleichung erfolgt über sinkende Einkommen und Ersparnis oder höhere Staatsdefizite. Es ist in einer geschlossenen Volkswirtschaft, also einer Welt ohne Außenhandel nicht möglich "zu viel" zu sparen. Es kommt zu einem Ausgleich.

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