Mittwoch, 19. September 2018

"Das zweite Halbjahr könnte holprig werden" Deutsche Industrie bekommt weniger Aufträge aus dem Ausland

Generatorenbau bei Siemens: Die Nachfrage nach Produkten der deutschen Industrie kühlt ab

Die deutsche Industrie hat aufgrund einer schwächelnden Nachfrage aus dem Ausland im Juli erneut weniger Aufträge an Land gezogen - und damit die Erwartungen vieler Experten enttäuscht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Donnerstag gingen 0,9 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat. Analysten hatten dagegen einen Anstieg um 1,8 Prozent erwartet. Der jüngste Rückgang folgt auf einen bereits deutlichen Rücksetzer im Juni, der mit 3,9 Prozent nur geringfügig schwächer ausfiel als bislang bekannt.

Das Bundeswirtschaftsministerium führt die Schwäche bei den Aufträgen auf weltweite Verunsicherungen durch Handelskonflikte zurück. Hinzu kämen vorübergehende Effekte in der Autoindustrie aufgrund veränderter Zulassungsregeln. Unterm Strich gibt man sich aber weiter optimistisch. "Nach wie vor ist der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe sehr hoch und das Geschäftsklima verbesserte sich zuletzt sogar wieder", hieß es vom Ministerium.

Ein Hinweis auf mögliche Effekte durch Handelsstreitigkeiten ist, dass vor allem die Aufträge aus dem Ausland schwächelten. Von dort kamen im Juli insgesamt 3,4 Prozent weniger Aufträge. Aus der Eurozone waren es 2,7 Prozent und von außerhalb der Eurozone 4,0 Prozent weniger. Die Inlandsaufträge stiegen dagegen um 2,4 Prozent.

Für Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe, ist es eine offene Frage, inwieweit sich der Streit um Zölle in den Zahlen niedergeschlagen hat. Er blickt jedenfalls weniger optimistisch nach vorn als das Ministerium und rät zur Demut. "Möglicherweise fällt das zweite Halbjahr für die deutsche Volkswirtschaft holprig aus - holpriger jedenfalls als bislang angenommen."

Deutlich weniger Aufträge gab es für die Herstellung von Investitionsgütern - und auch bei den Konsumgütern gab es einen Rückgang. Ein Plus wurde dagegen bei Vorleistungsgütern verzeichnet. Ralph Solveen, Experte bei der Commerzbank, sieht auch ohne den vorübergehenden Effekt in der Automobilindustrie eindeutig einen Trend nach unten. Die Produktion dürfte demnach in den kommenden Monaten weiter fallen "und auch die deutsche Wirtschaft insgesamt wird wohl nur moderat zulegen."

la/dpa

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