Donnerstag, 29. September 2016

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Ausfuhren fahren Achterbahn Deutsche Exporteure im "Herbstblues"

So triste ist der Herbst eigentlich nicht: Doch die deutschen Exporteure müssen im Oktober einen empfindlichen Rückgang gegenüber dem September hinnehmen. Auf Jahressicht sieht es deutlich besser aus

Die Flaute in vielen Schwellenländern macht den deutschen Unternehmen zu schaffen. Ihre Exporte fielen im Oktober um 1,2 Prozent zum Vormonat und damit mehr als doppelt so stark wie erwartet. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Dass die Ausfuhren erstmals schon nach zehn Monaten die Marke von einer Billion Euro knackten, liegt vor allem an der guten Nachfrage aus Europa.

"Die deutschen Ausfuhren fahren Achterbahn: Auf einen guten Monat folgt ein schlechter", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle, waren die Exporte im September doch noch um 2,6 Prozent gestiegen. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner sprach sogar von einem "Herbstblues beim Außenhandel".

Die Unternehmen verkauften Waren im Wert von 106,2 Milliarden Euro ins Ausland. Gegenüber dem Oktober im Vorjahr waren das aber 3,3 Prozent mehr. Die Ausfuhren in die Euro-Zone wuchsen binnen Jahresfrist um 5,8 Prozent, die in die gesamte Europäische Union sogar um 6,4 Prozent. Weltweit dagegen schrumpften die Exporte um 0,9 Prozent.

"Die Probleme der Schwellenländer zeigen sich hierin", erklärte Scheuerle. China wächst 2015 so langsam wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, während Brasilien und Russland sogar in der Rezession stecken. Dort werden deshalb weniger Waren "Made in Germany" nachgefragt.

Importe sinken so stark wie seit 2012 nicht mehr

Von Januar bis Oktober wuchsen die Exporte insgesamt um 6,6 Prozent auf etwas mehr als eine Billion Euro. So früh wurde diese Marke noch nie geknackt.

Mit anderen Worten verläuft die Konjunktur auf Jahressicht sehr gut. Der Branchenverband BGA rechnet im Gesamtjahr mit einem Plus von bis zu 6 Prozent. 2017 soll ein Wachstum von 4,5 Prozent folgen - vor allem wegen der guten Nachfrage in klassischen Absatzmärkten wie der EU und den USA, wo der schwache Euro die deutschen Produkte preislich attraktiver macht.

Die Importe fielen im Oktober unterdessen um 3,4 Prozent zum Vormonat. Das ist das größte Minus seit dreieinhalb Jahren. "Das würde ich nicht zu hoch hängen", sagte Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. "Er ist weniger auf einen Mengeneffekt zurückzuführen als auf einen Preisrückgang" erklärte er. Deutschland muss viel Energie importieren, die Preise dafür sind gefallen." Die bereinigte Handelsbilanz - die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren - wies ein Plus von 21 Milliarden Euro aus.

rei/reuters

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