Sonntag, 24. September 2017

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Dauer-Boom - aber nicht in Deutschland Die Wirtschaft läuft und läuft und läuft ... in Australien

Deutsche Volkswirte debattieren derzeit, ob die Wirtschaft überhitzt. Das Ifo-Geschäftsklima ist so gut wie noch nie. Manche Branchen seien mit ihren vielen Aufträgen schon "überlastet", argumentiert das Kieler Institut IfW.

Bevor die Unternehmen noch mehr investieren oder einstellen, sollte die Konjunktur demnach lieber gebremst werden - zum Beispiel mit höheren Kreditzinsen. Andernfalls würde ein ungesund starker Boom drohen, der sich dann mit hoher Inflation rächt und/oder in einen umso stärkeren Kollaps umschlägt. Zwar sind die Wachstumsraten nicht überragend. Das IfW verweist aber auf den "gestreckten Aufschwung", der ungewöhnlich lange dauere.

Wie die von Statista für manager-magazin.de angefertigte Infografik zeigt, liegt das Boomland D eher im internationalen Mittelfeld, gleichauf mit Frankreich und Italien, wo niemand über konjunkturelle Überhitzung klagt. Glatte vier Jahre dauert der Aufschwung bisher. Mit dem an diesem Freitag beendeten Frühjahrsquartal kommt vermutlich Quartal Nummer 17 hinzu.

Wir folgen hier der so genannten Zeitungsdefinition: Rezession = zwei Quartale in Folge mit rückläufiger Wirtschaftsleistung. Das war in Deutschland - ebenso wie den anderen wichtigen Volkswirtschaften der Euro-Zone - zuletzt im Winter 2012/2013 der Fall. Angesichts weiter guter Lage am Arbeitsmarkt wurde diese Rezession im Land allerdings nur als kleine Delle wahrgenommen.

Ignoriert man sie, verdoppelt sich die gute Zeit auf 32 Quartale oder volle acht Jahre seit dem Frühjahr 2009. Damit wäre Deutschland in einer Liga mit Großbritannien und den USA, die sich seitdem von der weltweiten Wirtschaftskrise erholen. Allesamt sind die Volkswirtschaften weit davon entfernt, den entstandenen Schaden so weit wieder auszugleichen, dass sie an den Wachstumstrend vor 2008 wieder anknüpfen könnten.

Die Zeitungsdefinition hat den Vorteil, dass sie ein klares und vergleichbares Signal liefert, um Auf- und Abschwung zu trennen. Offizielle Meldungen zu Start und Ende einer Rezession aufgrund einer gesamtwirtschaftlichen Analyse, wie sie in den USA das National Bureau of Economic Research abgibt, existieren anderswo nicht.

Der Nachteil: Die Grenze ist ziemlich willkürlich. Wenn das Bruttoinlandsprodukt ein halbes Jahr lang um 0,1 Prozent schrumpft, wird von einer Rezession gesprochen. Wächst es um 0,1 Prozent, hingegen nicht - obwohl es kaum einen spürbaren Unterschied gibt.

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