Freitag, 16. November 2018

Sinkende Löhne, weniger Vermögen, höhere Belastung Die Mittelschicht schrumpft und zahlt

Das Geld wird knapp: Der Rückgang der Einkommen war explizit gewollt, um international wieder wettbewerbsfähig zu werden. Doch Folgeinvestitionen in Bildung und Innovation blieben aus

2. Teil: Weniger Vermögen

Es ist allgemein bekannt, dass deutsche Haushalte über weitaus weniger Vermögen verfügen als der Durchschnitt der anderen Euroländer. Hauptursache dafür ist die Art und Weise wie wir unser Geld anlegen. Weitaus geringerer Besitz von Immobilien und Aktien, stattdessen eine Vorliebe für Sparbuch, Riester-Rente und Lebensversicherung.

Nicht zuletzt aus falsch verstandener Fürsorge und Interesse an der Finanzierung des Staates hat unsere Politik über Jahrzehnte hinweg die falschen Anreize gesetzt. Statt einer breiten Beteiligung der Bevölkerung am Produktivvermögen wurde das Sparen in niedrigrentierlichen Anlagen von der Politik mit allen Mitteln gefördert. Verbunden mit einer mangelnden Bildung mit Blick auf das Einmal-Eins der Geldanlage und Wirtschaft wurde so erreicht, dass der deutsche Mittelstand deutlich schlechter dasteht als die Bevölkerung in anderen Ländern.

Hinzu kommt, dass unsere Banken und Versicherungen als Kapitalsammelstellen, die von uns erwirtschafteten Außenhandelsüberschüsse denkbar schlecht anlegen. Wie an anderer Stelle erläutert, gehen Handelsüberschüsse immer mit entsprechendem Kapitalexport einher. Leider liegt die Summe der Handelsüberschüsse der letzten Jahre deutlich über dem Zuwachs an Auslandsvermögen. Deutlicher Beweis dafür, dass wir unsere Ersparnisse denkbar schlecht anlegen. Alleine in der Subprime-Krise haben wir über 400 Milliarden Euro verloren.

Ein guter Teil der Schulden wird nicht bedienbar sein

Für die Zukunft ist keine Besserung zu erwarten. Was in Griechenland ein offenes Geheimnis ist, wird sich auch in Irland, Portugal und Spanien einstellen: ein guter Teil der privaten und öffentlichen Schulden wird nicht bedienbar sein. Die Verluste werden in Europa verteilt werden, wobei Deutschland als größtem Gläubiger entsprechende Verluste entstehen werden, die letztlich die Mittelschicht wird tragen müssen.

Die Anreize für die Geldanlage und die einseitige Ausrichtung auf den Export von Waren und Ersparnissen sind die direkte Folge der Entscheidungen unserer Politiker. Statt mehr im Inland auszugeben, sei es durch mehr Schulden des Staates oder aber eine höhere Besteuerung der Unternehmen, die ihre Gewinne eben nicht dazu nutzen, zu investieren, geben wir unser Geld an Ausländer, die in Zukunft nicht werden bezahlen können.

Bevor man also daran denkt, durch noch mehr Umverteilung an den Symptomen herumzudoktern, sollte die Politik die wirklichen Ursachen bekämpfen: zu wenig Investitionen im Inland und falsche Anreize für die Geldanlage.

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