Dienstag, 6. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Konjunktur China wächst so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr

Peking: Noch ausreichend Wachstum für genügend Jobs?
Getty Images
Peking: Noch ausreichend Wachstum für genügend Jobs?

Das Wirtschaftswachstum in China ist im vergangenen Jahr mit 6,9 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1990 gefallen. Gut 7 Prozent veranschlagt das Regime, um im Riesenreich die Menschen mit ausreichend Arbeit versorgen zu können.

Chinas Wirtschaft ist 2015 so schwach gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte wie weitgehend erwartet um 6,9 Prozent zu nach einem Plus von 7,3 Prozent im Jahr zuvor, teilte das Statistikamt am Dienstag mit. Dies ist das geringste Plus seit 1990.

Zwar liegt der Zuwachs im Zielrahmen der Regierung, die rund 7 Prozent angepeilt hatte und trifft exakt die Erwartungen von Experten. Doch bleibt die Regierung in Peking unter Druck, die Konjunktur mit weiteren Maßnahmen zu stützen. Darauf deuteten auch enttäuschende Dezember-Daten von der Industrieproduktion und dem Einzelhandel.

An den Börsen in Fernost sorgten die BIP-Zahlen für eine Erholung und etwas Erleichterung, dass die Abkühlung der Konjunktur in China nicht noch stärker ausfiel.

Nach jahrzehntelangem Boom mit teils zweistelligen Zuwachsraten will die Regierung das exportlastige Wirtschaftsmodell stärker auf die Binnenkonjunktur ausrichten und den privaten Konsum ankurbeln. Dafür nimmt sie auch ein geringeres Wachstum in Kauf. Doch beim Umbau hakt es.

Industrieproduktion fällt schwächer aus als erwartet

Dies schürte zuletzt Sorgen, dass China als Schrittmacher für die Weltkonjunktur stärker aus dem Tritt kommen könnte und führte zu Turbulenzen an den Börsen rund um den Globus. Das für westliche Verhältnisse hoch anmutende Wachstum ist für die Regierung auch eine Art Minimum, um genügend Arbeitsplätze in dem Milliardenvolk zu schaffen und soziale Unruhen zu vermeiden.

Die Wirtschaft bekomme weiterhin das schwierige internationale Umfeld zu spüren, erklärte das Statistikamt. Zudem seien die heimischen Strukturreformen in einer entscheidenden Phase. Dies belegten auch die Daten von der Industrieproduktion und vom Einzelhandel. Die Fabriken steigerten ihren Ausstoß im Dezember um 5,9 Prozent. Das Plus fiel damit etwas schwächer aus als die Expertenprognose von 6,0 Prozent und schwächte sich im Vergleich zu den 6,2 Prozent im November ab. Der Einzelhandelsumsatz legte binnen Jahresfrist mit 11,1 Prozent ebenfalls etwas schwächer zu als erwartet.

Anleger in Asien erleichtert

Analysten zufolge könnten die BIP-Daten zunächst für etwas Beruhigung sorgen. Die größten Ängste um die chinesische Wirtschaft, die in den jüngsten Börsenturbulenzen zum Vorschein gekommen seien, seien wohl übertrieben, sagte Volkswirt Louis Kuijs vom Analysehaus Oxford Economics. "Wir sehen keine Anzeichen für eine abrupte Abkühlung." Die Kurse an den Börsen in Asien legten zu. Die Anleger seien erleichtert, dass es keine böse Überraschung gegeben habe, sagten Experten.

Im vierten Quartal schwächte sich das Wachstum allerdings etwas stärker ab als erwartet. Das BIP stieg lediglich um 1,6 Prozent zum Vorquartal nach 1,8 Prozent im Sommer. Volkswirte hatten mit 1,7 Prozent gerechnet. Aufs Jahr hochgerechnet lag das BIP-Plus bei 6,8 Prozent. Es war damit der geringste Quartalszuwachs seit den Hochzeiten der Finanzkrise Anfang 2009, als es nur zu einem Plus von 6,2 Prozent reichte.

Dem Exportweltmeister machen schwächelnde Auslandsgeschäfte, Überkapazitäten in der Industrie und ein abklingender Immobilienmarkt zu schaffen. Dies drückt auch auf die Investitionen. Auch der Kampf der Regierung gegen die weit verbreitete Korruption wirkt sich aus.

rei/reuters

Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...

Alle Themenseiten
Nachrichtenticker

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH