Donnerstag, 24. August 2017

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Weltwirtschaft Große allgemeine Verunsicherung

Gurgaon in Indien: Der Westen hat als Vorbild ausgedient, einfache Lösungen sind nicht mehr zu haben

Experten sehen die Welt in einem epochalen Umbruch, der Westen dankt als Vorbild ab: Das Global Economic Symposium hat die globale Dauermalaise vermessen und nach Lösungen gefahndet - mit Lust an radikalen Ideen.

Kuala Lumpur/Hamburg - Um große Worte sind die versammelten Denker und Macher nicht verlegen. Beginnen wir also groß, ganz groß: Die alte Ordnung ist im Begriff zu verschwinden. Eine neue Epoche beginnt, alles wird anders: wirtschaftlich, sozial, technologisch, geopolitisch. Nur wie die neue Ordnung danach aussehen wird, das weiß noch niemand.

Es ist diese Mischung aus Verunsicherung und Aufbruch, die sich beim diesjährigen Global Economic Symposium (GES) in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur durch alle Sitzungen zieht. Zwei Tage lang sondierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen Anfang dieser Woche die globale Großwetterlage (manager magazin ist Medienpartner der Veranstaltung). Sie versuchten sich am Big Picture.

Ökonomische Stagnation, Polarisierung von Einkommen und Vermögen, soziale Unruhen, geopolitische Instabilität - all das sind aus diesem Blickwinkel letztlich nur "Symptome für die große Umwälzung", lässt Dennis Snower, Initiator des GES und Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, wissen. "Wir leben in einer Ära des radikalen Wandels." Am Ende werde kaum etwas bleiben, wie es ist.

Denn die Gegenwart, so Snower, sei durchaus vergleichbar mit der großen Transformation, die die Menschheit durchmachte, als sich die ersten Jäger und Sammler niederließen, um Ackerbau zu betreiben, Privateigentum zu erfinden, Städte zu gründen und schließlich Imperien.

Rein ökonomische Ansätze genügen nicht mehr - es geht um viel mehr

Zur GES-Sicht auf die Welt gehört die Vorstellung, dass große Umbrüche selten ohne gravierende Verspannungen und Krisen abliefen. Die Sehnsucht nach einer Rückkehr zur Normalität der vergangenen Jahrzehnte mag groß sein: dass die geopolitischen Spannungen sich lösen und die Terrorwelle abebbt, dass die Euro-Krise verschwindet, dass Amerika wieder regierbar wird, die Liste ließe sich verlängern. Die Teilnehmer des GES jedoch machen sich daran, die Anatomie des Wandels mit langem Zollstock zu vermessen und nebenher Lösungen zur praktischen Weltverbesserung zu skizzieren.

Ein Gedanke zieht sich quer durch die Veranstaltung: Rein ökonomische Ansätze genügten nicht mehr, es gehe längst um viel mehr. Da fordert Snower, die Menschen müssten wieder "Mitgefühl und Kooperation" lernen; in solchen Momenten klingt er fast wie ein Erweckungsprediger.

Nobelpreisträger Josef Stiglitz erklärt den rund 600 Gästen, Märkte seien "nicht sehr gut darin, große Transformationen" wie die derzeitige zu managen. Irgendwie müsse es die Politik richten. Aber leider sei die amerikanische Demokratie "zerbrochen", und Europas Antworten auf seine Währungskrise blieben ohnehin immer mangelhaft.

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