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15.01.2013
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Schwaches Schlussquartal
Deutschland droht eine Rezession

Zum Jahresende ausgebremst: Im vierten Quartal ist die deutsche Wirtschaft um 0,5 Prozent gesunken
Getty Images

Zum Jahresende ausgebremst: Im vierten Quartal ist die deutsche Wirtschaft um 0,5 Prozent gesunken

Nach zwei Boomjahren in Folge hat die Schuldenkrise die deutsche Wirtschaft abgewürgt. Im vierten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt, für das Gesamtjahr bleibt nur noch ein Plus von 0,7 Prozent. Die robuste Lage auf dem Arbeitsmarkt sorgte aber für volle Staatskassen.

Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent gewachsen. Das teilte das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Zahlen mit. Das ist deutlich weniger als die 3,0 Prozent Zuwachs beim realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Jahr zuvor. Dennoch steht Deutschland besser da als viele europäische Partner, die in die Rezession rutschten.

Den Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise konnte sich die exportorientierte deutsche Wirtschaft nicht völlig entziehen: Nach einem starken Jahresauftakt schwächte sich das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft Europas 2012 von Quartal zu Quartal ab.

Für das letzte Jahresviertel gehen die Experten in einer ersten Schätzung von einem BIP-Rückgang von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal aus. Im dritten Quartal war die deutsche Wirtschaft noch um 0,2 Prozent gewachsen.

Für 2013 stimmen Ökonomen auf weitere Dämpfer ein, denn auch die Lage im wichtigen US-Markt ist unsicher. Die meisten Volkswirte erwarten für die deutsche Wirtschaft ein geringeres Wachstum als im abgelaufenen Jahr. Die Prognosen bewegen sich in einer Spannbreite von 0,3 bis knapp 1,0 Prozent. Die Bundesregierung geht in ihrem neuen Jahreswirtschaftsbericht einem Bericht zufolge von einem Wachstum in Höhe von 0,5 Prozent aus.

Erster Überschuss seit fünf Jahren

Der deutsche Staat profitierte im abgelaufenen Jahr deutlich von der robusten Konjunktur: Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen nahmen zusammen 2,2 Milliarden mehr ein als sie ausgaben. Der Überschuss entspricht 0,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und ist der erste seit fünf Jahren. 2011 hatte es noch ein Defizit von 0,8 Prozent und 2010 - auch infolge der Euro-Hilfszahlungen Deutschlands - sogar von 4,1 Prozent gegeben. Einen Überschuss gab es zuletzt 2007 mit 0,2 Prozent. Deutschland ist somit weit von der 3-Prozent-Marke entfernt, die der Maastricht-Vertrag höchstens als Defizit erlaubt.

Grund für die verbesserten Staatsfinanzen sind die Rekordbeschäftigung und steigende Löhne. Dadurch wuchsen die Steuereinnahmen des Staates, während die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Bundesagentur für Arbeit höhere Beitragseinnahmen verzeichneten. Die Gemeinden schafften deshalb ein Plus, die Sozialversicherungen sogar einen "kräftigen Überschuss".

"Der Bund senkte sein Defizit im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich", erklärten die Statistiker. Seine Neuverschuldung dürfte im vergangenen Jahr bei etwa 22 bis 23 Milliarden Euro gelegen haben. Bis 2016 will auch der Bund schwarze Zahlen schreiben, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) plant offenbar schon für das Jahr 2014 - mit einigen Einschnitten - einen strukturell ausgeglichenen Etat.

Inflationsrate 2012 gesunken

Gleichzeitig hat sich im vergangenen Jahr in Deutschland auch der Preisauftrieb abgeschwächt. Die Verbraucherpreise stiegen im Jahresdurchschnitt um 2,0 Prozent, damit wurden vorläufige Ergebnisse bestätigt.

2011 hatte die Rate noch bei 2,3 Prozent gelegen. In den beiden Jahren zuvor notierte sie allerdings noch deutlich unter 2 Prozent. Im Dezember 2012 lag die Jahresrate bei 2,1 Prozent, nach 1,9 Prozent im November.

Abermals teurer als im Vorjahr waren 2012 Energieprodukte, der Preisauftrieb schwächte sich aber etwas ab. Ebenfalls teurer waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke. Hier verstärkte sich der Preisauftrieb sogar.

Die Inflationsrate berechnet nach dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) erhöhte sich im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent. Der HVPI ist unter anderem für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) relevant. Im Dezember erhöhte sich der Index um 2,0 Prozent zum Vorjahr. Zum Vormonat stieg er um 0,9 Prozent

mg/dpa/dpa-afx/rtr/afp

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Konjunkturdaten im Jahresvergleich

2012 2011 2010
Bruttoinlandsprodukt
+ 0,7 Prozent + 3,0 Prozent + 4,2 Prozent
Staatsverschuldung
+0,1 Prozent -0,8 Prozent -4,1 Prozent
Inflation
2,0 Prozent 2,3 Prozent 1,1 Prozent









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