Dienstag, 28. Juli 2015

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Arbeitsmarkt Europa bricht entzwei

Proteste in Madrid: In Spanien ist jeder Vierte arbeitslos

18,8 Millionen Arbeitslose - nie zuvor hatten so viele Menschen in der Euro-Zone keinen Job. Die Wirtschaftskrise spaltet den Kontinent in zwei Teile: den armen Süden und Osten sowie den reichen Norden. Doch es gibt Hoffnung.

Hamburg - Waren alle Rettungspakete umsonst? Wer den Bericht der EU-Kommission über die Beschäftigung und die soziale Lage in Europa liest, kann diesen Eindruck gewinnen. Das Urteil der Kommission fällt verheerend aus: "2012 war ein weiteres miserables Jahr für Europa", sagte Sozialkommissar László Andor während der Präsentation in Brüssel. Eine "neue Kluft" habe sich aufgetan. Während der Süden und Osten Europas in Arbeitslosigkeit versinken und das Armutsrisiko erheblich gestiegen ist, stehen die Menschen in den Nordländern trotz Krise gut da.

Die tiefe Spaltung belegen auch die jüngsten Zahlen vom Arbeitsmarkt. In Österreich, Luxemburg, Deutschland und den Niederlanden liegen die Arbeitslosenquoten - gemessen nach dem internationalen ILO-Standard - bei vergleichsweise niedrigen 4,5 bis 5,6 Prozent. In Spanien und Griechenland hat dagegen jeder Vierte keinen Job.

In den 17 Ländern der Euro-Zone stehen insgesamt 18,8 Millionen Menschen auf der Straße. Die Arbeitslosenquote stieg zum vierten Mal in Folge und lag im November bei 11,8 Prozent. Anders ausgedrückt: Heute sind mehr Menschen arbeitslos als vor 20 Jahren. Zudem steigt die Langzeitarbeitslosigkeit seit 2009 wieder an.

Noch vor wenigen Jahren war der Trend umgekehrt. Zur Jahrtausendwende lag der Abstand zwischen Nord- und Südländern bei der Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozentpunkten. Bis zum Jahr 2007 verschwand die Differenz sogar gänzlich, wie der Bericht der EU-Kommission zeigt. Doch dann kam die Finanz- und Schuldenkrise und trieb den Abstand auf 7,5 Prozentpunkte in die Höhe.

Risiko für die Weltwirtschaft

Die Folgen sind alarmierend: Durch den Jobverlust fallen die verfügbaren Einkommen in den Randstaaten rapide. So haben die Griechen im Vergleich zu 2009 heute fast ein Fünftel weniger Geld. In Spanien sind es 8 und auf Zypern 7 Prozent weniger. Dadurch würden immer mehr Familien an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Die Menschen scheinen in einer "Abwärtsspirale von Leistungsabfall, schnell steigender Arbeitslosigkeit und erodierenden Einkommen gefangen", schreibt die EU-Kommission in ihrem düsteren Befund. Auch eine Studie des Weltwirtschaftsforums bezeichnet die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich als eines der vorherrschenden Risiken für die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren.

Im Laufe des Jahres wird sich die Jobkrise aller Wahrscheinlichkeit nach weiter verschärfen. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im zweiten Halbjahr 2013 auf 20 Millionen Menschen steigt. Das Gute daran: Damit dürfte der Höhepunkt erreicht sein. "Der Arbeitsmarkt der Euro-Zone ist noch nicht über den Berg, aber der Gipfel ist in Sicht", sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei Unicredit Deutschland.

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