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23.11.2012
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Ifo-Index
Das Märchen von der deutschen Abkopplung

Von Arne Gottschalck

Deutsche Wirtshaft: Noch steht sie solide da
dapd

Deutsche Wirtshaft: Noch steht sie solide da

Das Konjunkturbarometer Ifo-Index ist im November wider Erwarten leicht gestiegen. Eine gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft. Doch für eine Entwarnung ist es viel zu früh.

Hamburg - Ein Hoffnungsstreif im Grau der wirtschaftlichen Ausblicke - der Ifo-Index ist etwas angestiegen. Im November kletterte er um 1,4 auf 101,4 Punkte; zuvor war er sechs Monate in Folge gefallen. Diese Entwicklung zeigt zweierlei. Zum einen die Bedeutung der Psychologie, zum anderen die Gefahr, sich in modernen Mythen zu verstricken. Doch von Anfang an.

Es sei eben eine Frage der Einstellung, sagt Greg Aldridge, Fondsmanager des M&G Global Growth. Es gäbe so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. "Die Deutschen leben inzwischen auf einer Insel der Seligen, nachdem sie lange dafür gearbeitet haben - und nun glauben sie auch an sich und diese Erfolgsgeschichte. Das schafft eine eigene Dynamik." Darin zeigt sich vermutlich der menschliche Wunsch danach, die globale Wirtschaft in kleinere Einheiten zu zerlegen und damit greifbarer zu machen. Statt amorpher Geld- und Warenströme also der lokale Handel, die nationale Lage. So kann der Glaube an die eigene Stärke tatsächlich die Wirtschaft stärken.

Doch dieser Einfluss wirkt nur, solange die Signale der Realwirtschaft nicht allzu misstönend klingen. Die Erkenntnis, dass der oft zitierte Decoupling-Effekt in den Bereich der Mythen der Märkte verbannt werden muss, ist so eine Dissonanz. Denn in einer globalen Welt kann es zeitliche Verzögerungen bei der regionalen Anpassung an die großen Trends geben - doch abkoppeln kann sich niemand. Sparen also die Regierungen Südeuropas, sparen auch deren Haushalte.

Deutschlands Exporteure können sich davon nur begrenzt freimachen, indem sie zum Beispiel mehr Güter nach Asien liefern. "Eine Abkopplung der Kernstaaten vom übrigen Europa hat sich als Illusion entpuppt, insbesondere die exportorientierte Wirtschaft Deutschlands bekommt dies nun deutlich zu spüren", bestätigt Bernd Hartmann, Leiter Investment Research der VP Bank. Neu ist diese Erkenntnis nicht. Nur wird sie der Welt gerade wieder eindrücklich ins Gewissen gerufen.

Hartmann: "Die Lage in Deutschland spitzt sich sichtbar zu"

Schon zu Beginn der Finanzkrise sprach man davon. Deutschland, ja Europa, könne sich von der US-amerikanischen Immobilienkrise abkoppeln, wollte der damalige Bundesfinanzminister und jetzige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wissen. Die Geschichte hat gezeigt, dass er mit dieser Analyse daneben lag. Das gleiche Bild im Falle Chinas.

Gibt man die Worte "China" und "Decoupling" in die Suchmaschine Google ein, finden sich gut 1,5 Millionen Treffer. Die hohe Zahl zeigt, wie sehr die Menschen an der Theorie der Abkopplung hängen, auf sie hoffen. 2010 taumelte Europa durch die Krise, die USA ebenso. Entsprechend ruhten die Hoffnungen von Investoren und Ökonomen auf Chinas Leistungsstärke. Doch auch sie zerstob, 2011 wuchs die Volkswirtschaft so schwach wie zuletzt 2009. Und Fragen über eine Immobilienblase oder die Notwendigkeit von Reformen, die einer sozialen Unwucht vorbeugen sollten, machten die Runde.

Entsprechend nüchtern konstatiert Hartmann: "Die Lage in Deutschland spitzt sich sichtbar zu. Die breite und tiefgreifende Verunsicherung der Wirtschaftsakteure droht nun auch die Binnennachfrage zu belasten."

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