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15.11.2012
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Rezessionsgefahr
Europas Kern schmilzt

Von Arvid Kaiser

Stahlwerk in Thüringen: Die deutsche Industrie legt eine Vollbremsung hin
dapd

Stahlwerk in Thüringen: Die deutsche Industrie legt eine Vollbremsung hin

Euro-Land steckt bereits in der Rezession, die deutsche Volkswirtschaft steht kurz davor. Die Zweiteilung in Kern- und Krisenländer der Währungsunion war gestern. Besonders die deutsche Binnenkonjunktur enttäuscht - vor allem die Unternehmen treten auf die Bremse.

Hamburg - 0,2 Prozent. Als Jubelmeldung geht die an diesem Donnerstag aus Wiesbaden gelieferte Statistik zum deutschen Wirtschaftswachstum im Sommerquartal wohl kaum durch. Genauso viel gab es im jüngst von deutscher Seite geschmähten Frankreich. Belgien, Finnland und Österreich melden eine schrumpfende Wirtschaft, die Niederlande sogar drastisch. Das war der harte Kern der Euro-Zone, die als Ganzes jetzt offiziell wieder in der Rezession steckt.

"Dieser Rückfall in die Rezession ist hausgemacht", schimpft der belgische Ökonom Paul de Grauwe von der London School of Economics über das "Ergebnis übertriebener Sparmaßnahmen in den südlichen Ländern und dem Unwillen der nördlichen Länder, etwas anderes zu tun".

Deutschland selbst schien sich lange von der Malaise im Rest der Währungsunion abkoppeln zu können, sank doch der Anteil der dorthin gehenden Exporte in den vergangenen Jahren von 45 auf nur noch 37 Prozent - wachsende Nachfrage aus Übersee, vor allem aus China und den USA, sorgte für den Ausgleich.

Die Binnennachfrage, die 2010 und 2011 noch für eine kräftige Erholung von der schweren Krise sorgte, enttäuscht inzwischen aber auf der ganzen Linie. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung rechnet in seinem aktuellen Jahresgutachten mit einem Beitrag von Null aus dem Inland für das diesjährige Wachstum. Die 0,8 Prozent, die unterm Strich noch zusammenkommen, gründen sich vor allem auf starke Exporte, weil sich deutsche Güter mit dem fallenden Euro Chart zeigen verbilligt haben - ironischerweise "von einem Vertrauensverlust in die Integrität der Währungsunion hervorgerufen", wie die Wirtschaftsweisen schreiben.

Auch im abgelaufenen dritten Quartal lahmte laut Statistischem Bundesamt die Binnennachfrage, vor allem die Ausrüstungsinvestitionen schrumpften erneut deutlich. Laut Dekabank ist die aktuelle Erholung seit dem Ende 2009 erreichten Tief inzwischen so schwach wie noch nie. Zur Jahreswende 2010/2011 erschien es noch einer der stärksten Aufschwünge der Geschichte - wie es nach der schwersten Rezession seit dem Krieg auch zu erwarten war. Doch mit der Eskalation der Euro-Krise im Sommer 2011 knickte die Kurve ab.

"Wer nicht abschätzen kann, ob seine heute getätigten Investitionsausgaben morgen und übermorgen die zur Finanzierung notwendigen Erträge bringen werden, wartet erst einmal ab", erklärt Ökonom Andreas Scheuerle von der Dekabank. Die Auftragsbücher der Unternehmen hätten sich merklich geleert. Während die Firmen bis zum Sommer noch die Produktion auf Hochtouren hielten, um alte Aufträge abzuarbeiten, hätten sie im September eine "Vollbremsung" hingelegt.

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