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15.11.2012
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Konjunktur
Euro-Zone gleitet in Rezession ab

Markt in Madrid: Der Abwärtstrend in Krisenländern zieht die Euro-Zone nach unten
Getty Images

Markt in Madrid: Der Abwärtstrend in Krisenländern zieht die Euro-Zone nach unten

Nun ist es offiziell: Die Wirtschaft des Euro-Raums ist im dritten Quartal in die Rezession gerutscht - erstmals seit 2009. Um 0,1 Prozent ging das BIP von Juli bis September zurück, nach 0,2 Prozent im Vorquartal. Die Aussichten für 2013 trüben sich leicht ein.

Luxemburg - Erstmals seit drei Jahren ist die Euro-Zone wieder in die Rezession geschlittert. Im dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung in den 17 Euro-Ländern gegenüber den drei Monaten zuvor um 0,1 Prozent, berichtete die Europäische Statistikbehörde Eurostat heute. Schon im zweiten Quartal des laufenden Jahres hatte es mit minus 0,2 Prozent einen Rückgang gegeben. Volkswirte sprechen von einer Rezession, wenn das Wirtschaftswachstum in mindestens zwei Vierteljahren in Folge negativ ausfällt.

Zuletzt hatte sich die Euro-Zone nach Beginn der weltweiten Bankenkrise 2008 in der Rezession befunden. Damals sank die Wirtschaftsleistung fünf Quartale in Folge bis zum Sommer 2009.

Ein geringfügiges Wachstum von 0,2 Prozent in den stärksten Volkswirtschaften des Euro-Raums, Deutschland und Frankreich, war nicht genug, um den Abwärtstrend in den Krisenländern auszugleichen. So fiel das BIP im dritten Quartal in Italien um 0,2 Prozent und in Spanien um 0,3 Prozent. Auch in den Niederlanden ging es mit der Konjunktur bergab. Die Wirtschaft stürzte hier im dritten Quartal um 1,1 Prozent ab. In der gesamten EU wuchs die Wirtschaft im dritten Quartal jedoch leicht um 0,1 Prozent, unterstützt von einem BIP-Zuwachs von 1 Prozent in Großbritannien.

Gleichzeitig sank die Inflationsrate in der Euro-Zone leicht. Die jährliche Inflationsrate, ermittelt nach dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), fiel von 2,6 Prozent im Vormonat auf 2,5 Prozent, verlautete Eurostat. Die Statistiker bestätigten damit vorläufige Daten von Ende Oktober. Trotz der leichten Abschwächung liegt die Teuerung im Währungsraum immer noch spürbar über dem mittelfristigen Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent. Die Notenbank hat ihr Inflationsziel seit fast zwei Jahren nicht mehr erreicht.

EZB-Umfrage zeigt wachsenden Konjunkturpessimismus

Die Wirtschaft im Euro-Raum wird sich nach Einschätzung von Experten noch schwächer entwickeln als bisher angenommen. Zugleich dürfte die Teuerung höher ausfallen. Dies geht aus einer heute veröffentlichten Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter 56 Finanzexperten hervor.

Demnach wird die Wirtschaft im Euro-Raum im laufenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen. Bislang hatten die Experten ein Minus von 0,3 Punkten erwartet. Auch auf das kommende Jahr blicken die Experten pessimistischer als bislang: 2013 rechnen sie nur mit einem leichten Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent nach bislang 0,6 Prozent. Längerfristig wird das Wachstum aber unverändert auf 1,8 Prozent veranschlagt.

Die Inflation im Währungsraum wird nach der Prognose 2012 bei 2,5 Prozent liegen. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als bisher. 2013 dürfte sich die Teuerung auf 1,9 (bisher 1,7) Prozent ermäßigen. In der langen Frist sehen die Experten eine Rate von 2,0 Prozent. Auch die EZB selbst erwartet, dass die Teuerung noch eine Weile über ihrer Zielmarke von knapp zwei Prozent liegen wird. Es sei aber zu erwarten, dass sie im Laufe des kommenden Jahres unter diese Marke sinkt.

Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen unterstrich heute, dass er keine Gefahren für die Preisstabilität in Deutschland und der Euro-Zone sieht. Inflationssorgen würden derzeit im Zusammenhang mit dem Anleihenkaufprogramm der EZB sowie mit Blick auf den sehr niedrigen Leitzins geäußert, sagte Asmussen laut Redetext beim Versicherungstag in Berlin: "Ich versichere Ihnen: Diese Sorgen sind unbegründet." Von Inflation oder Geldentwertung könne keine Rede sein.

Die EZB befragt alle drei Monate Experten aus Finanzinstituten und Forschungseinrichtungen. Die jüngste Befragung wurde vom 16. bis 22. Oktober durchgeführt.

wed/dpa/dapd

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