Dienstag, 26. Mai 2015

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Branchen in Rezessionsangst Die Krise kriecht nordwärts

Branchen in Alarmstimmung: Wen das Krisenvirus jetzt infiziert
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dapd

Die Einschläge kommen näher: Auch hierzulande spürt eine wachsende Zahl von Firmen den kalten Griff der Krise. Aufträge brechen weg, in manchen Betrieben steht Kurzarbeit an. Welche Branche kriegt die Kurve, welche zieht es in den Strudel der Rezession?

Hamburg - Es gibt sicher angenehmere Umstände, als den Chefsessel mit einer Gewinnwarnung im Gepäck zu besteigen. Gut, einerseits kann der neue Infineon-Vorstandsvorsitzende Reinhard Ploss jetzt von einem niedrigeren Ausgangsniveau aus angreifen. Der jüngste, negative Ausblick des Halbleiterherstellers lässt allerdings auch den Schluss zu, dass sowohl auf die Firma als auch andere Teile der Industrie harte Zeiten zukommen.

Um 10 Prozent werde der Umsatz im laufenden Quartal schrumpfen, die Gewinnspanne sich sogar halbieren. "In Anbetracht dieser Situation" werde der Vorstand "Maßnahmen definieren", mit denen das Unternehmen wieder profitabler werden soll. Einen Einstellungsstopp hat Ploss bereits vorsorglich ins Gespräch gebracht - ob es dabei bleicht, ist offen.

Infineon Börsen-Chart zeigen ist längst kein Einzelfall mehr in der deutschen Wirtschaft, zudem ist der Münchener Konzern ein Frühindikator der Wirtschaft. Maschinenbauer, die jetzt weniger Halbleiter bestellen, verkaufen in einigen Monaten weniger Maschinen, Lokomotivhersteller weniger Lokomotiven, Stromnetzausrüster weniger Netze.

Manager lächeln Probleme nicht mehr weg

"Wir spüren eine deutliche Zurückhaltung bei den Kunden", sagt ein Infineon-Sprecher. Inzwischen sei "in ganz Europa eine große Unsicherheit über die weiteren Aussichten zu bemerken". Bei dem Münchener Konzern zeigt sich dies besonders im Industriebereich. So hielten sich Investoren bei großen Infrastrukturprojekten zurück.

Die Krise kriecht aus Südeuropa nach Norden. Vorbei die Zeiten, als Manager die Probleme Griechenlands weglächelten, unter Verweis auf die kaum messbare Bedeutung des dortigen Marktes. Immer seltener blitzen die Meldungen von Rekorden bei Absatz, Umsatz und Gewinn auf - von Aufträgen ganz zu schweigen.

Stattdessen sehen sich viele Firmenchefs und ganze Branchen wieder in unsicherem Fahrwasser. Von schrumpfenden Erträgen ist die Rede, von Kurzarbeit und manchmal sogar Werksschließungen. Und dabei steht die Autobranche, gebeutelt von desaströsen Verkäufen in Europa, mit schlechten Nachrichten längst nicht mehr allein da:

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