Freitag, 17. August 2018

Schwacher Ifo-Index Krisenstimmung in deutschen Chefetagen

Schlechte Stimmung: Die Manager beurteilten sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten schlechter als im Vormonat

Die geplanten Anleihekäufe der EZB hat die Stimmung der Analysten aufgehellt - in der deutschen Wirtschaft hat die Maßnahme allerdings noch nicht für Begeisterung gesorgt. Zum fünften Mal in Folge ist der Ifo-Index gesunken. Experten hatten eigentlich mit einem Anstieg gerechnet.

München - Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im September von 102,3 auf 101,4 Punkte, teilte das Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7000 Unternehmen mit. Das ist der schlechteste Wert seit Februar 2010.

"Die befragten Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage abermals weniger zufrieden. Darüber hinaus blicken sie pessimistischer in die Zukunft", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Seit Mai schon sinkt das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer angesichts der weltweit trüberen Konjunkturaussichten und der ungelösten Schuldenkrise in Europa. Sinn sagte: "Die bremsenden Einflüsse dominieren weiterhin."

Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 102,5 Zähler gerechnet, nachdem die Entscheidung der Europäischen Zentralbank für den Kauf von Anleihen krisengeplagter Euro-Staaten die Märkte beruhigt hatte. Die Manager schätzten dagegen sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die Lage schlechter ein. Das Barometer für die Geschäftserwartungen fiel um 1,0 auf 93,2 Zähler. Der Index für die aktuelle Lage gab um 0,8 auf 110,3 Punkte nach.

"Die Notenbankaktionen haben offensichtlich nur die Stimmungslage der Finanzmarktanalysten beeinflusst", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "Anscheinend lassen die Unternehmen sich derzeit von der mauen Auftragslage stärker beeindrucken." Die Geschäftserwartungen würden auf eine schrumpfende Wirtschaftsleistung hindeuten.

Stärkster Rückgang in der Industrie

In den einzelnen Branchen fällt das Bild aber gemischt aus. Besonders deutlich kühlte sich das Klima in der exportabhängigen Industrie ab, in der die Manager Lage und Aussichten negativer einschätzten. "Beim Ausblick für das Exportgeschäft setzte sich der leicht negative Trend vom Vormonat fort", sagte Sinn. Im Groß- und Einzelhandel besserte sich dagegen die Stimmung, ebenso im Dienstleistungssektor. In der Baubranche hatten dagegen die Pessimisten Zulauf.

Deutschland steht wegen der Rezession in der Euro-Zone und der schwächeren Weltwirtschaft vor einer Konjunkturabkühlung. Die Industriestaatenorganisation OECD erwartet für das zweite Halbjahr eine leichte Rezession für Deutschland. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut beziffert das Rezessionsrisiko auf 30 Prozent.

Industrieaufträge, Exporte und Produktion waren zuletzt aber gestiegen, weshalb einige Ökonomen auch ein leichtes Wachstum für möglich halten. Das Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen, im ersten Vierteljahr um 0,5 Prozent.

mg/dpa/rtr

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