Sonntag, 17. Februar 2019

Schwache Nachfrage Deutsche Exporte nehmen ab

Containerterminal in Hamburg: Weniger Ausfuhren, weniger Einfuhren

Erstmals in diesem Jahr sind die deutschen Ausfuhren im April geschrumpft. Die schwache Nachfrage aus Europa sorgt für ein überraschend deutliches Minus, auch die Aufträge aus Übersee nehmen ab. Zugleich fragen auch die Deutschen weniger Güter aus dem Ausland nach.

Berlin - Die deutschen Exporte sind im April zum ersten Mal in diesem Jahr gesunken. Die Unternehmen verkauften 1,7 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Das war der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge.

Insgesamt setzten die Unternehmen im Ausland 87,1 Milliarden Euro um - 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Während die Ausfuhren in die gegen eine Rezession kämpfenden Euro-Länder um 3,6 Prozent zurückgingen, legten sie in die Länder außerhalb der Europäischen Union um 10,3 Prozent zu.

Die Wirtschaft muss in den kommenden Monaten weitere Rückschläge fürchten. Der exportabhängigen Industrie brachen die Auslandsaufträge im April um 3,6 Prozent weg. Zuletzt lief es auch in den boomenden Schwellenländern deutlich schlechter: China dürfte in diesem Jahr so langsam wachsen wie seit 1999 nicht mehr, Indiens Bruttoinlandsprodukt legte zuletzt so schwach zu wie seit neun Jahren nicht mehr.

Die deutschen Importe fielen im April überraschend um 4,8 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit zwei Jahren. Analysten hatten mit stabilen Einfuhren gerechnet. Insgesamt wurden Waren im Wert von 72,7 Milliarden Euro eingeführt - 1,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Handelsbilanz - die Differenz zwischen Exporten und Importen - wies einen bereinigten Überschuss von 16,1 Milliarden Euro aus.

"Der Außenhandel wird in diesem Jahr nicht mehr zum Wachstum beitragen", sagte Chefvolkswirt Stefan Schilbe von der Privatbank HSBC Trinkaus. "Die Binnenwirtschaft bleibt aber angesichts der sinkenden Arbeitslosigkeit und guter Lohnabschlüsse robust." Allerdings könne er sich den starken Rückgang der Importe nicht erklären. "Das war womöglich ein Ausreißer." Jürgen Michels von der Citigroup verwies auf den schwächeren Ölpreis. Die schrumpfenden Importe seien "kein Signal für eine schwächere Binnennachfrage".

ak/rtr

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