Mittwoch, 15. August 2018

Rekordjahr 2011 Deutschland ist Außenhandels-Billionär

Container-Terminal in Bremerhaven: Deutschlands Außenhandelsverflechtungen steigen weiter

Trotz Schuldenkrise haben die deutschen Exporteure im vergangenen Jahr erstmals die Billionen-Marke beim Umsatz geknackt. Zugleich avancierte die Bundesrepublik mit rekordhohen Einfuhren zum Stabilitätsfaktor für Europa. Im Dezember ging Deutschlands Exporteuren allerdings rasant die Puste aus.

Wiesbaden - Es ist ein historischer Rekord. Trotz Schuldenkrise und abflauender Geschäfte in der Euro-Zone haben Deutschlands Exportunternehmen im vergangenen Jahr eine statistische Schallmauer durchbrochen. Der Wert der deutschen Exporte hat zum ersten Mal die Marke von einer Billion Euro überschritten. Wie das Statistische Bundesamt am mitteilte, führte Deutschland Waren im Wert von 1060,1 Milliarden Euro aus.

Abgekoppelt hat sich die Bundesrepublik aber trotz der Rekordfahrt nicht von der Schwäche der Euro-Zone. Im Gegenteil. Die Bremsspuren haben sich insbesondere im Dezember vergangenen Jahres hart in der deutschen Außenhandelsbilanz niedergeschlagen. Im Monatsvergleich gingen die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 4,3 Prozent zurück. Die Einfuhren sanken um 3,9 Prozent. Beides zusammen zeigt geradezu spiegelbildlich das Einfrieren der hiesigen Wirtschaftsleistung im letzten Monat des Vorjahres.

"Die Euro-Schuldenkrise paarte sich mit einer globalen Nachfrageschwäche. Mit den Dezember-Daten dürfte sich die Schätzung des Statistischen Bundesamtes für einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal um 0,25 Prozent nicht mehr halten lassen. Man muss nun von einer höheren Schrumpfung ausgehen", sagte Dekabank-Experte Andreas Scheuerle.

Im Gesamtjahr 2011 - und auch unter Einrechnung des schwachen Dezember-Geschäfts zog die Außenhandelsentwicklung hierzulande aber dennoch an. Und die hierzulande vergleichsweise robuste Wirtschaftsentwicklung auch die Unternehmen in vielen europäischen Nachbarstaaten zu stabilisieren geholfen. Denn der Außenhandel hat im vergangenen Jahr insgesamt merklich angezogen: Neben den Ausfuhren stiegen nach Angaben der Statistiker auch die Einfuhren in der Bundesrepublik deutlich. Sie erreichten im vergangenen Jahr mit einem Wert von 902,0 Milliarden Euro eine bisherige Höchstmarke - und sie legten sogar stärker zu, als die Exporte.

Während Deutschlands Ausfuhren weltweit insgesamt um 11,4 Prozent anzogen, wurden im Vorjahr hierzulande 13,2 Prozent mehr Waren aus aller Welt im Ausland; der bisherige Höchstwert bei den Einfuhren lag bei 805,8 Milliarden Euro und wurde im Jahr 2008 erreicht. Und die Bilanz für die Euro-Zone fällt für Deutschlands Nachbarstaaten noch eine Spur günstiger aus: Die deutschen Exporten in die Staaten der Euro-Zone legten im vergangenen Jahr nur um 8,6 Prozent zu, die Einfuhren aber um 12,9 Prozent.

Experten rechnen mittlerweile damit, dass die Wirtschaft der Bundesrepublik ihre größte Schwächephase mittlerweile hinter sich hat. "Alle wichtigen Indikatoren wie Ifo-Geschäftsklima und Konsumklima haben eine deutlich positive Tendenz. Die Euro-Krise hat sich zumindest an den Finanzmärkten beruhigt. Wenn das so bleibt, kann Deutschland spätestens im Frühjahr zu Wachstum zurückkehren", sagt Berenberg-Experte Christian Schulz.

Auch die Aufträge für die deutsche Industrie legten zuletzt deutlich zu, wie die Industrieproduktion hierzulande.

kst/dpa/rtr

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