Freitag, 23. Juni 2017

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BIP-Minus OECD warnt Deutschland vor Wirtschaftsschock

Maschinenbauer KGW in Schwerin: Industrie zuletzt mit Produktionsplus

Schrilles Alarmsignal: Die OECD warnt Deutschland vor einem harten Wirtschaftseinbruch zum Jahresende. Die Wirtschaftsleistung könnte um 0,3 Prozent sinken. Noch allerdings zeigt Deutschlands Industrie Stärke - und insbesondere die Mittelständler glauben auch weiterhin an gute Geschäfte.

Paris - Der deutschen Wirtschaft droht nach Einschätzung der OECD zum Jahresende 2011 ein Einbruch. Für die letzten drei Monate prognostizieren die Volkswirte der Industriestaatenorganisation einen auf das Jahr hochgerechneten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,4 Prozent. Gegenüber dem dritten Quartal 2011 entspräche dies einem echten Minus von 0,3 Prozent.

Erste Verluste müssen derzeit bereits Deutschlands Exporteure hinnehmen, allerdings auf hohem Niveau. Wegen der schwächelnden Nachfrage aus der Währungsunion nahmen sie im Juli schon den zweiten Monat in Folge weniger ein. Der Exportumsatz fiel um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. "Das weltwirtschaftliche Umfeld ist schwieriger geworden", kommentierte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die Zahlen lakonisch. Wegen weltweiter Rezessionsängste, den heftigen Börsenturbulenzen und der Schuldenkrise drohe der Gegenwind noch schärfer zu werden.

Die Deutschen bringen ihre Wirtschaftsstatistik damit derzeit vor allem durch die boomartige Entwicklung in der ersten Jahreshälfte zum Glänzen, die aktuelle Rücksetzer noch übertüncht. Auch deshalb sagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) den hiesigen Unternehmen für das Jahr 2011 unter dem Strich sogar einen Exportrekord voraus - trotz der Juni- und Julirücksetzer. "Die Marke von einer Billion Euro wird erstmals fallen", sagte DIHK-Außenhandelsexperte Ilja Nothnagel. Von Januar bis Juli nahmen Deutschlands Exporteure 611,5 Milliarden Euro ein. Das sind 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Ebenfalls zur Jahresmitte hat auch Deutschlands Industrie noch einmal Stärke gezeigt. Die hiesigen Konzerne haben ihren Umsatz im Juli sogar noch deutlich gesteigert. Im Vergleich zum Juni wuchsen die Erlöse des verarbeitenden Gewerbes um 4,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im Vergleich zum Juli 2010 verbuchte die Industrie dank des Aufschwungs sogar einen Anstieg um 10,8 Prozent.

DIHK: "Dynamik in China ungebrochen"

Besonders deutlich voran kommen unter den Industrieunternehmen die deutschen Maschinenhersteller. Der Branchenverband VDMA sagte am Donnerstag für das laufende Jahr ein Wachstumsplus von 14 Prozent für möglich, für 2012 nochmals weitere 4 Prozent.

Insbesondere die deutschen Mittelständler bewerten die Zukunftschancen ihres eigenen Unternehmens auch weiterhin optimistisch. Im eigenen Betrieb rechnen 54 Prozent der Firmenchefs in den kommenden zwölf Monaten mit einem Wachstum von bis zu 5 Prozent, deutschlandweit aber erwarten 68 Prozent eine Rezession, wie eine Untersuchung des Stuttgarter Instituts für Familienunternehmen (IFF) bei 500 Unternehmen ergab.

Ob die deutsche Wirtschaft tatsächlich in die Rezession rutschen wird, ist derzeit allerdings umstritten. Zur Stütze scheint sich im kommenden Jahr der Export zu entwickeln - trotz der kritischen Lage in Euro-Land. "In Staaten und Regionen wie China und auch in Osteuropa ist die wirtschaftliche Dynamik weiterhin ungebrochen", sagte DIHK-Außenhandelsexperte Nothnagel heute, und das könnte sich gerade für Deutschlands Unternehmen auch im kommenden Jahr auszahlen; die Bundesrepublik gilt unter den etablierten Industrienationen als diejenige, die am stärksten vom schnellen Aufholen der ehemaligen Schwellenländer China, Indien oder Brasilien profitiert.

Die Bundesregierung rechnet derzeit noch mit einem Plus von 2 Prozent für die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr. Zuletzt hatten allerdings nahezu alle großen deutschen Konjunkturforschungsinstitute und Banken ihre Wachstumsprognose für die Bundesrepublik in 2012 aber deutlich gesenkt.

kst/dpa/rtr/dapd

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